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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 363

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 363 (sequence 41)
Language
German
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Ans dem Leben der Schule. 363 ist nicht ganz einfach; es gehört dazu nicht weniger, als daß das Kind die Motive der Erwachsenen aus seinem eigenen Gefühlsleben heraus nachempfindend versteht, um danach den ethischen Wert dieser Gefühle selbst beurteilen zu können״ Wie man von einem Anfänger nicht ohne weiteres das Verständnis eines französischen Lesestücks und eine fremdsprachliehe Inhaltsangabe verlangen darf, sondern ohne Übersetzung in die Muttersprache kaum auskommen wird, so wird man auch dem Kinde die Handlungsweise der Großen in die ihm bekannte Sphäre übersetzen müssen, dann aber auch seines Verständnisses für die biblische Beurteilung der Handlung sicher sein dürfen. Ich möchte doch Eltern und angehenden Kollegen zeigen, wie ein Lehrer, der wohl auch von F. W. Förster Anregungen empfangen hat, diese ״Übersetzungs- Übungen“ vornimmt. Er tritt etwa vor seine zwölfjährigen Mädels mit der Absicht, ihnen den Abschnitt בא näher zu bringen (aber ja nicht mit dem Vorsatz, eine pedantische ״Zielangabe“ in sie hineinzukatechisieren!). »Wie beurteilt ihr Pharaos Verhalten?“ Emmy: ״Er war ein großer Lügner; er hatte die Absicht, die Juden1) zu behalten und hat sich *) So sage ich im Geschichtsunterricht, nicht Kinder Israels; denn ich finde, Gottschalk bat (in seiner Methodik des Religionsunterricht•) darin nicht ganz Unrecht, daß bei der wörtlichen Wiedergabe den Kindern nicht genügend znm Bewußtsein kommt, daß es sich um unsere eigenen Ahnen oder vielmehr nach der bekannten Mahnung der Pesach-Haggada nm uns selber handelt. Vollends ״Kind■ Israel״ ist weiter nichts als ein Sprachfehler, dadurch entstanden, aaß Israel im Lateinischen indeklinabel ist und Luther nach dem Sprachgebrauch des 16. Jahrhunderts durchweg die hebräischen Eigennamen lateinisch flektiert; seit die lateinische Sprache nicht mehr die Gelehrtensprache ist, hat dieser Brauch aufgehört, und die evangelischen Bibelübersetzer haben daraus die selbstverständliche Konsequenz gezogen: nur wir Juden müssen natürlich lutherischer sein als die Lutheraner. Selbstredend spreche ich auch nicht mehr von ״kleinen Propheten“, seit ich bemerkt habe, wie Kinder — und vom sprachlichen Standpunkt aus mit Recht — diese Bezeichnung von Geistesriesen wie Arnos verstehen: sie ist gleichfalls falsche Übersetzung aus dem Lateinischen, wo prophetae minores kleine Prophetenbücher bedeuten soll; unsere Ahnen haben

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