Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 362 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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362 Aus dem £»ebeu der Schule. £*& schieht durch die Hinnahme des עול מלכות שמים, durch die willige Einordnung in das religiös geweihte Pflichtenleben; za freudiger, verständnisvoller Einfügung in seine heilige Ordnung zu erziehen — nicht mehr und nicht weniger! — ist die Aufgabe des Unterrichts. TJnd um solches Verständnis zu wecken, hat er oft Aufgaben zu erfüllen, die zunächst mit Religion nichts zu tun haben. Die Einprägung der Konjugation von שמר ist nicht religiöser als die von donner; aber indem sie später dem erwachsenen Schüler dazu verhelfen wird, die Strenge des Thorawortes, die Innigkeit der Gebete, die Pracht jüdischer Dichtung auf sich wirken zu lassen, dient sie höchsten Zwecken religiöser Erziehung. So ist allgemein nicht die nächste, sondern die letzte, dauernde Wirkung des Religions- Unterrichtes der Gradmesser seines Wertes; nicht darauf, ob er das Kind fromm macht, kommt es an, sondern darauf, ob seine Früchte in dem Manne, in der Frau den Willen und die Fähigkeit wecken, zeitlebens als demütiger Schüler in die große Erziehungsanstalt des jüdischen Pflichtenlebens zu gehen, die aus seinen Vätern und Müttern starke, fromme Menschen gemacht hat. Ich kann es daher nicht billigen, wenn man einen irgend nennenswerten Teil der kostbaren Zeit Andachts- Übungen widmet, von denen vielleicht das Kind, aber nicht der Erwachsene Nutzen haben kann; wer solche einrichtet, verfüttert Saatgetreide; er sieht nur auf die augenblickliche Wirkung, statt auf die spätere, mittelbare, an der vor allem gelegen ist. Damit ist natürlich nicht bestritten (um im Bilde zu bleiben), daß auch für die augenblickliche Ernährung Korn übrig bleiben, der Unterricht also auch auf die Erziehung des Kindes unmittelbar wirken muß. Aber dazu bedarf es meiner Überzeugung nach gar keiner besonderen Veranstaltungen oder gar gesuchter moralischer Betrachtungen, sondern nur der Herstellung des kindlichen Verständnisses für Charakterbildend wirksame Erzählungen, wie sie ihm natürlich nicht nur im Bibelunterricht, allerdings aber hier besonders zahlreich und wirksam entgegentreten. Freilich: Verständnis erzeugen