Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 361

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 361 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292993--03657-2296936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aus dem Leben der Schule. 361 Religion selbst ist ja nicht feierlich. Man vergleiche die Getragenheit eines Chorals mit der Fröhlichkeit unserer Sabbatlieder oder in der Weise, wie es R. E. May jüngst in den Spalten dieser Zeitschrift getan hat, englische und jüdische Ruhetagsstimmung, um den Unterschied zu ermessen, der in einer tiefen Gegensätzlichkeit beider Bekenntnisse in ihrem Verhältnis zu Welt und Weltlichkeit wurzelt. Und nun gar jüdischer Religionsunterricht ist, wenn er sich seiner Tradition bewußt bleibt, noch weniger feierlich, als die Religion selbst. Der Talmudunterricht hat herzlichste, fröhlichste Anteilnahme des Lernenden zur Voraussetzung; nie pulsiert das jüdische Leben lebhafter und freudiger, als beim ״Lernen“. Die Verpflänzung eines feierlichen Lehrtones in unseren Unterricht widerstrebt der Eigenart unseres Glaubens und unseres Blutes ebensosehr, wie die Übertragung von Chorälen in unseren Gottesdienst. Anders steht es mit der Forderung, daß der Unterricht religiöse Gesinnung zu erzeugen habe. An sich ist sie berechtigt. Wohl hat Rabbiner Hirsch mit gutem Grund das Wort Religion in der Anwendung auf das Judentum vermieden, da man seinen Begriff damals (und nicht nur damals) vorwiegend an christlicher Frömmigkeit orientierte und aus ihm Forderungen ableitete, die mit der Eigentümlichkeit jüdischer Religiosität schlechterdings nicht vereinbar wären. Aber er war ganz gewiß nicht weniger religiös als seine Gegner, die so gern von Religion redeten, aber vielfach gerade die außerreligiösen Werte des Judentums, die Wissenschaftliehen und namentlich die ästhetischen, zur Geltung brachten — bis zur Verdunkelung und Gefährdung der religiösen. Zu echter יראה zu führen ist und bleibt der letzte Zweck jedes jüdischen Religionsunterrichts; auch das Gemeinschaftsbewußtsein, das er gewiß vermitteln wird und muß, ist, wenn anders es jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein ist, religiös gefärbt. Hur eine starke Einschränkung ist zu machen; daß nämlich der letzte Zweck nicht immer der nächste sein darf. Ich meine folgendes: die Erzeugung jüdischer Frömmigkeit ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.