Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 360 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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560 Aus dem Leben der Schule. noch des Erlebens des Wanderers. So drängt es den Lehrer, der von seinem Schulamte scheidet, zurückzublicken auf einige Haltepunkte des Weges, den er sehnsuchtsvoll gesucht hat und nach mehr als zwanzigjähriger Wanderung vielleicht auch den Brüdern zeigen darf, mögen sie ihn ganz oder nur eine Strecke weit begleiten oder auch, durch die Ausblicke seines Weges angeregt, andere, schönere Wege suchen wollen. I. Vom Unterricht in der biblischen .Geschichte. Kleinen Kindern Bibel erzählen ist gewiß wunderschön.. Aber sie die Geschichte erleben lassen ist doch wohl noch schöner. Und das ist nicht schwer. Das Bübchen auf dem Schaukelpferd, vielleicht auch nur mit einem Stöckchen zwischen den Beinchen, erlebt das Vergnügen des Reitens unmittelbar. Und die achtjährigen Mädels, die in meiner Stunde auf einem Sehirmehen einen Mantel trugen, waren fest davon überzeugt, daß der Schirm eine Tragstange mit einer großen Traube darstellte und daß sie selbst die Kundschafter waren, die mit froher Erregung empfangen, bald Enttäuschung und Wut in der ״Gemeinde Israels“ weckten. East in jeder Stunde wird sich eine Geschichte finden lassen, die man aufführen lassen kann, zur Freude der Kleinen und nicht zuletzt zur Stärkung ihres Gedächtnisses: man wird erstaunt sein, wie sicher all die schweren Namen noch nach längerer Zeit ״sitzen“. Aber — gehört solch heiteres Spiel in die Religionsstunde? Widerstrebt es nicht der Feierlichkeit des Unterrichts und der Forderung seiner sittlich-religiösen Ein- Wirkung? Beide Fragen erheischen, wie mir scheint, eine eingehendere Antwort. Und ich gestehe gern, daß mir an dieser grundsätzlichen Auseinandersetzung mehr gelegen ist, als an der Verteidigung des eben dargestellten Verfahrens. Zunächst: jüdischer Religionsunterricht ist nicht feierlich, wie etwa der christliche, für den selbst ein Mann wie Berthold Otto einen eigenen, ernsten Lehrton fordert. Die jüdische