Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 357 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Schule ־and die Gesundheit des Kindes. schauungen *), noch aus dem modernen sozialen Gedanken hdraus rechtfertigen läßt. Manche Eltern sehen in der jüdischen Schule deswegen eine Gefahr für die Erziehung ihrer Kinder, weil sie sie mit Kindern anderer sozialer Schichten zusammenführt, von denen sie möglicherweise manche Ungezogenheiten annehmen können. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß auch die öffentlichen höheren Schulen kein sozial einheitliches Milieu darstellen, vielmehr wird jeder Kenner dieser Schulen bestätigen, daß sich in ihnen pädagogisch durchaus gefährliche Individuen befinden, die übrigens aus allen Gesellschaftsklassen stammen. Mit diesen minderwertigen Elementen müssen sich in jeder Schule die Eltern abfinden, und sie tun dies angesichts der großen pädagogischen Vorzüge der Schule, insbesondere auch für die Ausbildung des Gemeinschaftssinnes. ״Wie immer sich auch das Schicksal des einzelnen Kindes gestalten möge, so muß es doch zu den Menschen, unter denen es lebt und wirkt, in Beziehung treten und sich an gemeinschaftlichen Lebensaufgaben beteiligen. Dies erfordert eine frühzeitige Gewöhnung an das Zusammenarbeiten mit mehr oder weniger sympathischen Mitmenschen, manchen Verzicht auf eigene Meinung und eigenes Wollen und Leistungen, die nicht dem einzelnen, sondern nur der Allgemeinheit zugute kommen״. (Czerny). Gerade die jüdische Schule, die verschiedene Gesellschaftsklassen in sich vereinigt, wird in der Lage sein, die Gefahr einer Einseitigkeit in Klassenanschauungen zu beseitigen. Denn das Kind sieht, daß sein Wert nicht nach dem Geldbeutel seines Vaters, nach dem Ansehen seiner Familie bemessen wird, sondern einzig bestimmt wird nach seinen eigenen Leistungen. So wird in der jüdischen Schule — wenn das Elternhaus sie fördert — dem jüdischen Kind der Sinn für Kameradschaftlichkeit aufgehen, als dessen Abschluß ein jüdischer אחדות und ערבות- Gedanke erblühen wird, an dessen Mangel die heutige deutsche Judenheit so krankt. ב) Siehe Ad. Weyl, Die Bedeutung des Hauses im alttestamentliehen Erziehungsplane, Frankfurt a. M. 1903, S. 2. 25