Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 356 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Die jüdische Schule und die Gesundheit des Kindes. unvermeidlich — zu schwerem Schaden des kindlichen Nerven- Systems. Denn der Lehrer muß unbedingte Autorität fordern. Das Verlangen mancher Eltern, die Erziehungsschwächen des Hauses sollen auch in der Schule ihre Fortsetzung finden — der Lehrer sei nicht der Vorgesetzte, sondern der Freund der Kinder —, kann ärztlicherseits nicht befürwortet werden. ״Denn Anerkennung der Autorität und die damit verbundene Subordination sind wichtige Erziehungsmaßregeln für das Nervensystem. Sich unterordnen heißt sich selbst beherrschen^ und dies ist eine notwendige Vorbedingung für die Funktion des Nervensystems in normalen Grenzen“. Während eigentlich die Erziehung im jüdischen Haus der Entwickelung des Autoritätsgedankens förderlich sein sollte, da doch der Vater verpflichtet ist, frei von Schwäche auf die Innehaltung der Gebote zu dringen, so zeigen sich doch auch in unseren Kreisen Symptome, die zu beseitigen erstrebenswert sein muß. Vor allem dringt auch bei uns der oben angedeutete Kultus des Kindes mit all seinen erschreckenden Folgen ein und legt der späteren Tätigkeit des Lehrers die größten Schwierigkeiten in den Weg. Noch mehr ist die Autorität des Lehrers gefährdet, wenn die anderwärts so sehr vermißte persönliche Bekanntschaft der Eltern mit dem jüdischen Lehrer dazu führtr daß das Kind im Elternhause abfällige Heden über die Person des Lehrers führen hört. Nicht eindringlich genug kann der Arzt den Eltern ans Herz legen, derartige Autoritätskonflikte zu vermeiden, die für das kindliche Nervensystem Gift darstellen. Auch mit den übrigen Forderungen Czernys an das Elternhaus werden jüdische Eltern gut tun, sich vertraut zu machen. Die Kinder soUen rechtzeitig an Ausdauer bei der Beschäftigung mit einem Gegenstände und an Selbständigkeit gewöhnt, es soll bei ihnen Pflichtbewußtsein und Gemeinschaftssinn geweckt werden. Die Erfahrung hat gelehrt, daßgerade jüdischen Eltern vielfach das Verständnis für den Gemeinschaftssinn abgeht und dafür ein Klassendünkel in Erscheinung tritt, der sich weder aus den jüdischen An-