Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 358 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292993--03654-2296933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
358 Die jüdische Schule und die Gesundheit des Kindes. Vielfach werden indes von den Eltern weniger die pädagogischen als die gesundheitlichen Gefahren, die aus der Schulgemeinschaft erwachsen können, geltend gemacht. Die Furcht vor Infektionskrankheiten ist an sich berechtigt. Eine jede Häufung von Menschen bietet eine größere Ansteckungsgefahr. In der Schule sind bei der Zartheit des kindlichen Organismus die Infektionen besonders naheliegend, und es ist allgemein bekannt, daß zahlreiche mehr oder weniger harmlose Kinderkrankheiten in der Schule übertragen werden. Neben den eigentlichen Infektionskrankheiten gibt es die sogenannten Schmutzkrankheiten, die besonders leicht auf die wenig widerstandsfähige Kinderhaut übergehen: die Krätze und verschiedene Flechten. Diese Schmutzkrankheiten haben im Kriege erschreckend zugenommen infolge der aus dem Felde heimgebrachten Ansteckung ebenso wie wegen des häuslichen Mangels an Seife. Nun wird gesagt: bei den von dem modernen hygienischen Geist noch nicht so durchdrungenen niederen sozialen Schichten — soweit sie für die jüdische Schule in Betracht kommen, handelt es sich vielfach um ostjüdische Kreise — finden sich aEe diese Infektionskrankheiten häufiger, und es bietet die jüdische Schule infolgedessen mehr Gefahren als die anderen. Wir wollen uns diesen Gedankengang nicht ohne weiteres zu eigen machen, da bis jetzt statistische Belege hierfür nicht existieren. Gesetzt jedoch den Fall, daß er zutreffend wäre, so kann daraus für unsere Eltern keineswegs die Berechtigung hergeleitet werden, die Kinder der jüdischen Schule zu entziehen. Denn schon die Allgemeinheit hat die Möglichkeit einer Übertragung mit in Kauf nehmen müssen in Hinblick auf den unvergleichlich höheren pädagogischen Nutzen, den die Schule bietet. ״Wägen wir den Nutzen der Geselligkeit gegenüber der Gefahr der übertragbaren Krankheiten ab, so ergibt sich ein Übergewicht der ersterena, sagt Czerny. Wenn nun bei den jüdischen Schulen wirklich die Möglichkeit einer ansteckenden Krankheit bei Klassenkameraden größer sein sollte als anderswo, so wird dieses hygienische Minus schon ausgeglichen durch ein Plus, das in der — vor-