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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 354

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 354 (sequence 32)
Language
German
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354 Die jüdische Schule und die Gesundheit des Kindes. unterricht und Keligionsschule. Beides Notbehelfe in pädagogischer und schulhygienischer Beziehung! Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß nur eine organisch einheitliche Schulbildung, in der Widersprüche und Gegensätze, wie sie bei den erwähnten Notbehelfen erfahrungsgemäß sich einstellen, vermieden werden, die Harmonie des kindlichen Nerven־ Systems fördern kann. Wenn also schon dem jüdischen Kinde eine größere Summe an Kenntnissen zugemutet werden soll, so ist die jüdische Schule der einzig einwandfreie Weg. In Wirklichkeit sprechen aber die Verhältnisse noch weitaus mehr zugunsten der jüdischen Schule, wenn wir die veraltete pädagogische Anschauung aufgeben, als sei die Aufgäbe der Schule die Vermittlung einer bestimmten Summe von Kenntnissen. Ihre Aufgabe ist vielmehr die Übermittlung einer bestimmten Kultur und eine Schulung des Geistes. ״Es klingt paradox“, sagt Halberstadt1), ״aber jeder in der Praxis stehende Lehrer wird es bezeügen: ein großer Teil des von der Schule übermittelten Wissens ist dazu da, wieder vergessen zu werden. Nicht die Kenntnis sämtlicher geometrischer Lehrsätze ist wichtig, sondern ihre Ableitung und Anwendung״. Die Schulung des Geistes kann aber ebensogut mittels jüdischer Wissensgegenstände wie mittels profaner erzielt werden. ״Wer möchte zweifeln, daß man den Geist an der hebräischen Sprache ebenso sehr bilden kann wie an der lateinischen und am N*1־D>Lernen mindestens so sehr wie an der Mathematik״! Wenn man nun noch über Haiberstadts Intentionen hinausgeht und nicht in die allgemeine Forderung der profanen Kenntnisse, die der Staat für die höhere Schule fordert, einstimmt, so kann man von Haiberstadts typischem Lehrplan noch weitere Profanstunden streichen oder sie gegebenenfalls zugunsten jüdischer Lehrgegenstände verwenden. In jedem Falle aber würde in der jüdischen Schule ein großes Quantum Wissensstoff in Fortfall kommen können, mit dem ג) W. Halberstadt, Die Gestaltung der jüdischen Schule in Deutschland, Jüd.-akadem. Blätter 1919, Heft 1.

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