Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die jüdische Schule und die Gesundheit des Kindes. 353 Wunsch hat, daß diesem Schulwerke Segen und Gedeihen beschieden sei, wird an einer Reihe von Problemen nicht vorübergehen können, die das Verhältnis der jüdischen Schule zur Gesundheit des Kindes betreffen, und die uns zu speziellen schulhygienischen Fragestellungen führen, die durch die Be- Sonderheit des von den Kindern zu bewältigenden Lehrstoffes und die Besonderheit des Menschenmaterials gegeben sind. Jede Schulerziehung hat ihre Schattenseiten. Überhaupt birgt die Aneignung eines jeden Wissensstoffes schwere Gefahren für das Nervensystem in sich, wenn die Anspannung größer ist, als es den Kräften der Nerven entspricht. Darüber besteht im Prinzip Einmütigkeit; der große Streit in der Überbür dungsfrage geht nur auf die quantitativen Verhältnisse. Im allgemeinen sind es die Pädagogen, die für die größeren, die Ärzte, die für die geringeren Anforderungen in die Schranken treten. Eine für die harmonische Gesamtentwickelung des Kindes erforderliche Erziehungsmethode wird sich nur erzielen lassen, wenn sich der Pädagoge nicht den hygienischen Notwendigkeiten verschließt, wenn sich der Arzt dessen bewußt ist, daß eine körperliche Stärkung, die nur auf Kosten des pädagogischen Ergebnisses erzielt werden kann, einen Pyrrhussieg der Erziehung bedeuten würde. Gerade für die jüdische Schule kann eine kritiklose Anwendung der im Publikum verbreiteten Anschauungen über die Überbürdung der Schulkinder von heillosem Schaden sein. Die Konsequenzen dieser Anschauungen ließen sich vielleicht dabin zusammenfassen: Die Kinder sind infolge der Belastung mit dem profanen Wissensstoff in der allgemeinen Schule schon dermaßen überbürdet, daß das Gleichgewicht des Nervensystems gerade mühsam aufrechterhalten ist. Würden noch die in der jüdischen Schule geforderten Kenntnisse in der Thorawissenschaft dem Kinde aufgebürdet werden, so müßte bei vielen der Zusammenbruch des Nervensystems eintreten Die Haltlosigkeit einer solchen Theorie wird schon angesichts der Auswege klar, die dem jüdischen Kinde, das die Simultan schule besucht, zur Erlangung seines jüdischen Wissens zu Gebote stehen: Privat-