Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 349 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina im Widerstreit der Großmächte. 349 Erhebung gelang, für wenige Jahre wieder ein selbständiges Reich zu gründen, da, nach dem Fall der Stadt Bethar im Jahre 135, wechselte die Politik der Römer gegenüber den Juden. Es macht dem Scharfblick des römischen Kaisers Hadrian alle Ehre, daß er in der Thorah,. in der Religion, die Nährquelle auch der hartnäckigen Freiheitsgelüste der Juden erkannte und darum durch drakonische Gesetze, durch Schwert und Folter die Religion der Juden auszurotten gesonnen war. Ein Opfer dieser veränderten Politik war bekanntlich Rabbi Akiba mit seinen Genossen, die für ihre Lehre den Märtyrertod erlitten. Diese Politik lag aber so wenig in der ganzen Gemütsverfassung der Römer begründet, daß sie schon nach wenigen Jahren durch den Kaiser Antoninus Pius aufgegeben wurde. In der Folgezeit beobachten wir sogar freundschaftliche Beziehungen zwischen den römischen Kaisern und den jüdischen Patriarchen. Das änderte sich mit einem Schlag, als Kaiser Konstantin der Große das Christentum annahm und zur Staatsreligion erhob. Die hadrianischen Tendenzen der fanatischen Verfolgung der jüdischen Religion wurden wieder zum Prinzip der römischen Politik erhoben und im wesentlichen nur noch einmal unterbrochen, als der ins Heidentum zurückgekehrte und darum ״der Apostat* genannte Kaiser Julianus bei seinem Feldzug gegen die Parther die Juden zum Gebet für sein Kriegsglück aufforderte, damit er nach Bgendigung des Parther- Kriegs die Sehnsucht ihres Herzens erfüllen könne, den Tempel Gottes in Jerusalem wieder auf baue, wo Hadrian einen Tempel des Juppiter errichtet hatte. Es war das eine trügerische Hoffnung. Julianus fiel im Kampf. Bei der Teilung des römischen Reichs im Jahre 395 fiel Palästina an das oströmische Reich, dessen Herrscher gegen die Juden eine Politik der brutalen Unterdrückung einschlugen. Wie das schon bei Hadrian der Fall gewesen, war den Juden selbst das Betreten Jerusalems verboten. Das Jahr 622 leitete wiederum einen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas ein. Der scheinbar schwache, abgestorbene Baum des Judentums besaß Kraft und Saft genug, um ein