Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 348 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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348 Palästina im Widerstreit der Großmächte. Aktium (31) geschlagen. Oktavianus wurde Kaiser. Herodes aber hatte seine ganze Kraft und Energie und alle Mittel seines Landes Antonius zur Verfügung gestellt. Ihm zu Ehren hatte er die Tempelburg Antonia genannt. Herodes selber zweifelte nicht, daß er in den Fall seines Gönners würde mithineingezogen werden, zumal er des Antonius Heer noch zuletzt gegen Oktavianus mit Lebensmitteln versorgt hatte. Seiner schlangenartigen Gewandtheit und meisterhaften Verstellungskunst gelang es7 durch eine Haltung, in der Demut mit männlicher Entschlossenheit sich paarte, Oktavianus vor dem er auf Rhodus zur Verantwortung erscheinen mußte, für sich zu gewinnen. Herodes blieb im Besitz der Macht und des Throns und suchte beide zu erhalten und ihren Glanz zu vergrößern durch eine kriecherische Liebedienerei gegen den römischen Machthaber und seine Familie. Herodes war Judäas König von Roms Gnaden. Judäa war bereits so fest von den Fangarmen des römischen Kolosses umschlungen, daß es sich auch dann nicht mehr hätte befreien können, wenn es einig und geschlossen geblieben und nicht, wie es des Herodes antinationaler Politik gefiel, durch letztwillige Teilung unter drei seiner Söhne auseinandergerissen worden wäre. So aber wurde schon 11 Jahre nach Herodes Tod Judäa eine römische Provinz, von römischen Landpflegern verwaltet, bedrückt, ausgesogen und zu dem Aufstand geradezu gezwungen, der im Jahre 70 nach d. ü. Z. den Untergang des Staates und des Tempels zur Folge hatte. Das politische Leben Judäas hat damit aufgehört. Und doch macht sich der Einfluß und Widerstreit der Großmächte hinsichtlich Palästinas noch geltend. Zunächst muß der geschichtlichen Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß zuerst die Juden unter der römischen Herrschaft von religiösen Verfolgungen und Bedrückungen frei blieben. Roms Leidenschaft war Machthunger, Ländergier, keineswegs religiöser Fanatismus. Als aber der ungestüme Freiheitsdrang der Juden in allen Ländern der Zerstreuung zu politischen Aufständen führte, als es in der Tat den Juden infolge der an den Namen des Barkochba sich knüpfenden