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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 328 (sequence 6)
Language
German
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328 Einiges zur Würdigung der religionsgesetzlieben Chalizah. storbene Gatte Kinder hinterlassen habe, wenn der überlebende Brnder erst nach dem Ableben des anderen geboren sei, wenn sie zwar Söhne derselben Mutter, nicht aber desselben Vaters seien. Daß die Schwagerehe auch nicht mehr erlaubt sei, sobald eine Chalizah stattgefunden, wußte ich ihm zu erklären. Auf die Frage aber, warum die Schwagerehe in den Fällen, in welchen sie früher geboten war, jetzt allgemein von den Rabbinern für unstatthaft erklärt werde, darauf wußte ich keine Antwort zu erteilen“. ״Nun, das ist doch ein großer Fortschritt der Zeit und eine notwendige Rücksichtnahme auf die Freiheit des einzelnen, welcher sich auch die strengen Hüter des Gesetzes nicht zu verschließen wagten. Es ist immerhin besser, für die Betreffenden einen, wenn auch lästigen zeremoniellen Akt mitzumachen, als gegen Neigung und Seelenstimmung einander zu heiraten“. ״Wer sagt Ihnen denn“, entgegnete der Gefragte, zunächst; auf diese letzte, von einem anderen Tischnachbar hingeworfene Bemerkung, ״was berechtigt zu der Annahme, daß das für alle Zeiten bestimmte göttliche Gesetz nicht von Anbeginn dem Wechsel der Verhältnisse gebührend Rechnung getragen? Die Thora selbst hat es dem Ermessen des Schwagers anheimgegeben, ob er die Ehe mit der verwitweten Schwägerin vollziehen oder diese durch den Akt der Chalizah dispensieren wolle. Aber diese Ehe soll nur nach dem Geiste der Gotteslehre, d. h. aus Pietät gegen den verstorbenen Bruder vollzogen werden, um sein Haus und seinen Namen zu erhalten, nicht aus selbstsüchtigen Triebfedern, viel weniger noch aus eigennützigen und gemeinen. Darum waren schon die Mischnahlehrer geteilter Ansicht darüber, ob nicht die Chalizah als Regel vorzuziehen sei1). Der Grund dieser Meinungsverschiedenheit ist wohl hauptsächlich in der, freilich schwer zu entscheidenden Frage zu suchen, ob die Mehrzahl der Menschen selbstlos genug angelegt sei, um gegebenen Falles eine solche Ehe rein aus Liebe zu dem verstorbenen Bruder einzugehen. Jemehr das Leben ג) Talm. Jebamoth 39 b.

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