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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 326 (sequence 4)
Language
German
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32 6 Einiges zur Würdigung der religionsgesetzlichen Chalizah. einleuchten. ״Aber, ״ sagte er, ״wenn das Gesetz die Schwagerebe gebietet, wird es da nicht geradezu umgangen, wenn man von vornherein ein Verzichtleisten auf dieselbe verlangt?“ ״Das würde alles nicht schaden“, bemerkte darauf eine ästhetisch gebildete ältere Dame, ״wenn nur die fürchterlichen Zeremonien des Schuhausziehens und Ausspeiens bei dem Akte selbst nicht wären. Wie kann auch die Witwe ihren Abscheu ob einer Erklärung des Schwagers kundgeben, die sie selbst mit allen Mitteln herbeizuführen, die man ihr schon vor der Verheiratung sicher zu stellen trachtet?“ ״Aber Mama,“ flüsterte die Tochter der letzten Sprecherin, als diese auf ihr Bitten kurz das ihr völlig unbekannte Wort ״Chalizah“ einigermaßen erläutert hatte, ״wie kann man nur bei der Abschließung eines Bündnisses, bei welchem man Treue bis in den Tod gelobt, davon reden, oder gar Verabredung treffen, wie man künftig einmal die letzten Spuren eines Bündnisses abstreifen wolle?“ Dieses, einem gottesfürchtigen jüdischen Zuhörer nicht eben angenehm klingende Gespräch wurde durch den Beginn des Trauungsaktes unterbrochen. Beim Festmahle wurde es in leichtfertigem Tone fortgesetzt, wo den von verschiedenen Seiten gegen die Chalizah erhobenen Bedenken ein Wort der Aufklärung und Erklärung rechtzeitig begegnete. ״Sie haben, mein Fräulein, mit Recht vorhin als Charakter der jüdischen Ehebündnisse die Treue bis in den Tod bezeichnet. Wollen Sie verkennen, daß das Gebot der Chalizah das Andauern dieser treuen Gesinnung noch über die Grenze des Erdenlebens hinaus fordert und voraussetzt?“ Da dem würdigen, vielseitig gebildeten Sprecher dieser Worte, einem greisen Oheim der Braut, . sogleich die Aufmerksamkeit seiner Umgebung sich ungeteilt zuwendete, sprach er nach kurzem Einhalten gelassen weiter: ״Ist die jüdische Frau, wie der Psalmist von ihr rühmt *) gleich einer an der Hinterwand des Hauses blühenden Weinrebe, ף P•. 128, 3.

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