Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 316 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Palästina im Widerstreit der G-roßmäclite. Diplomatensprache der Fürsten Palästinas, die Sprache ihrer Berichte an den ägyptischen Großkönig, die babylonische war. Also auch hier wieder der Widerstreit zwischen babylonischer und ägyptischer Macht und Kultur. Aber nicht lange sollte der ägyptische Einfluß mehr dauern. Denn ein neues Volk erscheint jetzt auf der Bildfläche, über dessen Vordringen und Eroberungen die Statthalter bewegliche Klage in ihren Berichten an Amenhotep führen. Es sind die Habiri, die Hebräer, die nach ihrer Befreiung bei ihrem Einzug unter Josua allüberallhin in Palästina Vordringen und das ganze Land erobern. Ägyptens Macht ist aber bereits gesunken, so daß keine Hilfe geschickt wird. Um von der Not und Klage eine Vorstellung zu geben, sei ein Brief des Königs von Jerusalem angeführt: ״An den Schreiber meines Herrn, des Königs — Abdkhiba, dein Knecht. Bringe laut vor meinen Herrn, den König, diese Worte: Das ganze Gebiet meines Herrn, des Königs, geht in Trümmer“. Wir stehen hier in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristliehen Jahrtausends und haben hier einen Parallelbericht zum Buche Josua von unendlichem Werte in den grundlegendsten Fragen der jüdischen Religionsgeschichte, worüber wir uns hier nicht auslassen können. Was er uns aber hier zu zeigen vermag, ist der Umstand, daß ebenso wie im dritten vorchristlichen Jahrtausend, so auch im zweiten babylonische und ägyptische Ansprüche auf Palästina Vorlagen, babylonischer und ägyptischer Einfluß sich geltend machte. Nach der Eroberung Palästinas durch die Habiri, durch Israel, kann ungefähr ein halbes Jahrtausend von einem überragenden Einfluß der Großmächte auf Palästina nicht gesprochen werden. Wohl war Israels Volk und Land in jedem neuen Menschenalter von anderen Nachbarvölkern schwer heimgesucht; Edom, Ammon, Moab, Aram, kanaanitische Volksreste, Midjan und vor allem der Erbfeind, die Philister, drangsalierten Israel der Reihe nach aufs Brutalste. Aber dieser Mächte, die an Zahl, Kraft und Bedeutung Israel doch nicht allzu sehr überragten, konnten die sonst ziemlich lose zusammenhängenden Stämme sich unter