Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 306 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Di© legitime und die sogenannte ״ Volksreligion״ Israels. Morgenröte zu Finsternis macht und einhertritt auf den Höhen der Erde: der Ewige, der Gott der Heerscharen, ist sein Name44 (4,1s)1). Sodann den weiter entfalteten Keim des Monotheismus vertreten die Schriftpropheten, indem z. B. Amos (9, 7) die Philister durch Israels Gott von Kaphtor (Kreta) hergefuhrt sein läßt. Ferner daß die Geistigkeit oder TFnabbildb arkeit Gottes von Amos und Hosea vertreten werde, geben auch Neuere (z. B. Marti) zu, nur sollen sie diesen Grundsatz erst geschaffen haben. Aber sie können nicht Gesetzgeber und Bichter in derselben Person gewesen sein. Endlich die Heiligkeit Gottes mußte von den Propheten des 8. Jahrhunderts ja leider so streng verkündet werden, daß der Ausdruck ״der heilige Gott Israels44 sogar als neuer Gottesname auffcritt (Jes. 1, 4 b usw.). Folglich ist es zunächst positiv aus den Quellen begründet worden, daß die Propheten auch seit dem 8. Jahrhundert auf dem Boden der alten, von den Vätern ererbten Religion gestanden haben. Auch sie haben dieselbe als die zu Recht bestehende anerkannt und wcJlten ihr Volk zur Treue gegen die alten Prinzipien der Religion und Moral zurückführen. Deshalb lockten sie ihre Zeitgenossen, indem sie dieselben an die alte Treue ihres Gottes erinnerten, wie z. B. Amos 1, 3 davon spricht-, daß der Ewige als Patron seines Volkes auftritt, ohne daß erst eine Verbindung des Ewigen mit Israel angekündigt worden wäre. Welch ein Lichtstrahl fällt von da auf die vorhergehende Religionsgeschichte Israels! Also eine reformatorische Tendenz oder vielmehr Aufgabe war der Ausgangspunkt des Wirkens der Propheten des 8. Jahrhunderts, nur hatten sie auch ergänzend und vergeistigend zu wirken2). Demnach hat die legitime Religion Israels auch die Eigenschaft der wesentlichen Beständigkeit gezeigt. *) Ausführlich erörtert in GAT Bel. 283—387. *) Die Echtheit ▼on 4,13; 6,8f. usw. ist in GAT BeL 3ö9f. erwiesen.