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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 291 (sequence 69)
Language
German
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Zwei Kapitel aus dem neuesten Bande der ״Doroth Harischonim*. 291 sonders R. Josua seinem Schmerze über den Verlust der Sühnestätte Israels Ausdruck. Da suchte R. Jochanan b. Sakai seinen wilden Schmerz zu lindem und ihn zu trösten, indem er ihn darauf hinwies, daß mit dem Verluste des Tempels und mit dem Aufhören des Opferdienstes die Aufgabe des jüdischen Volkes nicht aufgehört habe. Sollten doch auch die Opfer nichts anderes als ein Mittel sein, durch das der Mensch sich, wenn er ihren Sinn richtig begriffen, Gott näher bringen könne. Dies könne nun durch die Erfüllung -des Gebotes der Mildtätigkeit bewirkt werden. Indem man einen Teil seines Vermögens als Opfer auf dem Altar der Pflichterfüllung Gott und den Nebenmenschen gegenüber darbringt, hat man zum Ausdruck gebracht, daß man -.sich mit seinem Besitz unter das Gottesdiktat gestellt. In reiner Absicht geübte Wohltat hat daher und kann dieselbe läuternde Wirkung auf den Menschen ausüben, als das in seinem eigentlichen Zwecke und Sinne wohlverstandene Opfer. Nicht anders ist es mit den von Weiß mit großer Emphase ausgesprochenen Worten, daß ״aus diesen Worten R. Jochanan b. Sakais die Gedanken der Propheten hervorleuchten, die niemals Gefallen an den Opfern gefunden haben״. Gewiß haben die Propheten sich über die Menge der Opfer abfällig geäußert. Warum aber? Weil das Volk den Sinn und den Zweck der Opfer verkannt hatte. Weil es dachte — es geht dies aus unzähligen Stellen in den Prophetenbüchern hervor —, durch die Opfer sich von allen Lastern und Vergehungen freikaufen zu können, weil es in ihnen einen Freibrief für alles Unrecht sah. Die große Menge des Volkes sah im Opfer den Tribut, den es seinem Gotte brachte, wollte aber in seinem privaten wie auch gesellschaftliehen Leben nicht weiter mit göttlichen Dingen belastet sein. Gegen diese völlig verkehrte Auffassung des Opferzweckes traten die Propheten mit aller ■Schärfe auf. Wenn dies der Sinn euerer Opfer sein soll, ״was soll mir dann die Fülle eurer Opfer“. Opfer darbringen mit lasterhaftem Sinn und mit von Blut und Unrecht besudelten Händen, ״meinen Tempel zur Lasterhöhle machen“, wenn ihr den Gottestempel so auffasset, so betretet lieber meine Höfe nicht. Dies ist der Sinn der prophetischen Opposition gegen einen völlig mißverstandenen Opferdienst. Die Propheten können aber keinesfalls als Gegner des wohlverstandenen Opferdienstes, wie ihn die Thora versteht, reklamiert, noch weniger R. Jochanan b. Sakai als ihr Adept nach dieser Richtung hingestellt werden. Im Kapitel 27 beschäftigt sich der Verfasser mit einer weiteren Hypotbese der neueren Geschichtsschreibung, gleichfalls R. Jochanan b. Sakai betreffend. Bei Graetz Bd. IV, S. 14 heißt es darüber: ״Dem jamnesischen Synhedrion übertrug dessen Gründer vor allem die religiöse Machtvollkommenbeit, welche es in Jerusalem besessen hatte, mit der zugleich die richterliehen Funktionen eines Obertribunals verbunden waren. Nur die vollgütige Autorität R. Jocbanans konnte ein solches Werk, wie die Schöpfung und 20*

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