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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 290

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 290 (sequence 68)
Language
German
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2go Zwei Kapitel aus dem neuesten Bande der ״Doroth Harischonim“. schichtss#hreibung“ an Fragen heranging, die von grundlegender Bedeutung für die religiös-historische Auffassung sind. , Im Kapitel 26 tritt er der bekannten Deutung entgegen, die Graetz IV, S. 14 den Worten R. Jochanan b. Sakais, mit denen er seinen Schüler E. Josua getröstet hat, gibt. Graetz schreibt: Ais die Nachricht einlief, daß die Stadt gefallen und der Tempel in Flammen aufgelodert sei, zerrissen E. Jochanan b. Sakai und seine Jünger ihre Kleider, trauerten und jammerten wie um den Tod eines Nah verwandten. Aber der Meister verzweifelte nicht, wie die Jünger; denn er erkannte, daß das Wesen des Judentums nicht unauflöslich an Tempel und Judentum gebunden sei, um mit ihm unterzugehen. Er tröstete vielmehr seine Schüler über den Verlust der Sühnestätte mit der Bemerkung, daß ״Mildtätigkeit״ das Opfer ersetze, wie es in der Schrift heißt: ״Denn ich habe an Mildtätigkeit Gefallen und Dicht an Opfern״. Diese freie Ansicht über den Wert der Opfer ließ ihn erkennen, daß vor allem nötig sei, einen neuen Mittelpunkt anstatt des Tempels hinzustellen. Er ließ daher in Jabne ein Synhedrion zusammentreten. ״Damit hatte er das Judentum überhaupt vom Opferkultus losgelöst und es selbständig hingestellt. Ohne, daß dieser Akt irgendwo Widersprach gefunden hätte, vertrat Jabne von nun an Jerusalem ganz und gar, es wurde der religiöse und nationale Mittelpunkt für die zerstreuten Gemeinden. ״Aus diesen Worten“, meint auch Weiß (3, ״ (דד״וד ח״בleuchten die Gedanken der wahren Propheten hervor, die niemals Gefallen am Opferdienst gefunden hatten“. Damit soll E. Jochanan b. Sakai als ein prinzipieller Verneiner des Opferkultus hingestellt werden, der mit seinen Worten, nach Ansicht obiger Historiker, damit über den Tempel und den Tempeldienst, die ein Jahrtausend hindurch — mit kurzer Unterbrechung — im Mittelpunkte des religiösen Denkens und der religiösen Betätigung gestanden, den Stab gebrochen haben. Damit aber auch über seinen Lehrer Hillel, dessen Wertschätzung der Opfer uns aus zahlreichen Aussprüchen bekannt ist. Demgegenüber führt Halewy aus, daß aus den Trostworten E. Jochanan b. Sakais nicht im geringsten ein Werturteil über den Opferkult hervorgehe. Wenn der Tempel noch gestanden hätte und die Möglichkeit, Opfer darzubringen, noch weiter gegeben gewesen wäre und E. Jochanan b. Sakai in diesem Falle empfohlen hätte, den Opfer dienst durch Wohltun zu ersetzen, so wären diese Deduktionen gerechtfertigt. Als aber E. Jochanan b. Sakai seinen Ausspruch über die Bedeutung des Wohituns getan, ist ja der Tempel bereits zerstört gewesen. Damit war dem damals schon überallhin zerstreuten jüdischen Volke sein Zentralheiligtum genommen und damit auch sein בלקום כפרד. Als nun die Kunde vom Falle Jerusalems und von der Zerstörung des Tempels nach Jabne kam, da zerrissen Meister und Jünger, E. Jochanan b. Sakai und seine Schüler, ihre Kleider. In verzweifelten Worten gab be-

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