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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 288 (sequence 66)
Language
German
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288 Von Jaffa nach Konstantinopel. sowie aus dem Tachkemoni des ]El. Juda Alcharisi hören wir, daß im Mittelalter ein reges jüdisches Leben in Aleppo herrschte, und daß bedeutende Rabbiner an der Spitze jener Gemeinde gestanden haben. Verschiedene literarische Denkmäler, besonders die Bibel des Ben-Ascher, bestätigen diese Berichte* Wichtiger ist jedoch die Tatsache, daß die heutige jüdische Gemeinde zu Aleppo, die etwa 12000 Seelen zählt, sich würdig ihrer ruhmreichen Vergangenheit zeigt, eine mustergültige IQiillo ist, in der das Torastudium gepflegt und das Religionsgesetz streng beobachtet wird. Daß aber auch hier der verderbliche Einfluß der Alliance sich geltend zu machen anfängt, soll nicht geleugnet werden. Doch ist zu hoffen, daß schon in absehbarer Zeit von Palästina eine geistige Strömung ausgehen wird, die auf die Atmosphäre seiner nahen und fernen Umgebung von belebender Wirkung sein und alle schädlichen Keime tilgen wird. In dieser Hoffnung verließ ich jene Landstriche, die in einem idealen Konnex mit unserer einstigen und künftigen Heimat standen bezw. stehen werden. In tagelanger Fahrt über das Amanus- und Taurusgebirge, die Kilikischen Pässe mittels Auto und Eisenbahn durchquerend, gelangte ich nach Konia, wo ich einem aus Smyrna stammenden, dem einzigen in dieser weiten Gegend wohnenden Juden begegnete. Von dort aus gibt es direkte Eisenbahnverbindung mit KonstantinopeL Doch mußte ich infolge des Sabbatheintritts die Fahrt unterbrechen und den Sabbath in Eski Shier feiern. Hier existiert seit etwa zwanzig Jahren eine rumänisch-jüdische Kolonie, die sich mit Landwirtschaft und Viehzucht beschäftigt. Ein -stattliches Minjan vereint die meisten der Angehörigen der Kolonie jeden Sabbath. Doch dürfte dieser Gemeinde kein langes Leben beschieden sein. Die Kinder der Kolonisten sind bereits assimiliert. Das Judentum ist ihnen vollständig fremd. Will ein Jude als Landwirt leben, so gibt es für ihn nur ein Land, dem er gerne seine Kraft ־widmen, und das seinerseits ihn dem Judentum erhält, und das ist Palästina.

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