Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292992--03579-2296857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
286 Von Jaffa nach Konstantinopel. befehl Djemal Paschas sehr hart getroffen wurde und hierher ms Exil ging, benutzte die Gelegenheit seines unfreiwilligen Aufenthaltes dazu, den Grundstein zu einem Schulwerke zu legen. Dem Vernehmen nach wird das von Yellin begonnene Werk auch nach seiner Rückkehr nach Jerusalem fortgesetzt und trägt hoffentlich dazu bei, die Damaszener Judenheit wieder zu beleben. Die mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbundenen Verkehrsverhältnisse in der Kriegszeit nötigten mich, einige Tage in Damaskus zu verweilen. Die von Familie Yellin auch in dieser Zeit geübte Gastfreundschaft und ihre liebenswürdige Gesellschaft trugen dazu bei, mir diesen Aufenthalt ebenso interessant wie lehrreich zu gestalten. Auf Wunsch des allmächtigen Djemal Paschas arbeitete Herr Yellin einen Entwurf für eine zu gründende Bibliothek aus, und widmete seine Zeit auch gelehrten Studien. Wie er als geborner Palästinenser die Kenntnis des klassischen Arabisch mit der der modernen arabischen Sprache in hervorragender Weise verbindet, so fand er auch hier Gelegenheit, die ihm theoretisch geläufige aramäische. Sprache im Verkehr mit den wenigen aramäisch sprechenden Bewohnern dieser Stadt, die wohl als echte Nachkommen der Ureinwohner Damaskus’ anzusehen sind, praktisch zu üben. Dank seiner Liebenswürdigkeit durfte ich einer Unterhaltung in dieser Sprache beiwohnen. Wie der Wohllaut der alten heiligen Sprache auf heiligem Boden mehr als jedes andere Moment bei jedem Juden das Gefühl der Heimat erzeugt, so weckt der Klang der aramäischen Sprache angesichts des in den Himmel ragenden Libanon die Empfindüng, daß man sich auf gut nachbarlichem, stammverwandten Boden befindet. Diese Empfindung begleitete mich lange noch, als ich bereits Damaskus verließ, und erleichterte mir den fünfzig־ ständigen Aufenthalt in einem gefüllten Militärzüge bis Aleppo. War es ja das alte, in den Zeiten von David und Salomo zum Reiche Israel gehörende Aram, durch das uns der Zug trug. Daß es bereits in jenen Zeiten von Juden bewohnt gewesen