Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Mischna Sabim Y, 12 historisch begründet. 277 mit Falschem, aber jedenfalls hat er zu einer Zeit gelebt, wo man in den von dem Judentum sich immer mehr entfremdenden ]Kreisen noch eine dunkele Tradition vom Heiligtum und seinen Einrichtungen hatten. Allein die Reinheitsgesetze wurden zur Zeit des Verfassers von den Judenchristen noch gehalten. Der vorliegende griechische Text ist nur eine Übersetzung, wahrscheinlich aus dem Aramäischen, wie wir sehen werden; hält ׳es ja auch der Herausgeber für möglich, daß das vorliegende Stück einer Quelle, aus der das Ev. Matthäi geschöpft habe, ang:ehöre, demnach können wir für diese Schrift ganz gut die Zeit der Anfänge des Christentums datieren und einen Juden- Christen als den Verfasser annehmen. Bald nachdem dieses Fragment erschienen war, machte ich in einer Zusendung an die genannte Zeitschrift (S. 175f.) auf einige Verstöße aufmerksam, wie daß der Verf. einen nicht existierenden Davidsteich an die Stelle des Kijor, dem sogenannten ״Meer Salomos“, oder des in der Tempelhalle befindlichen Tauchbades setzt, daß er von einem bestehenden Verbot des Anschauens der heiligen Geräte spricht, das niemals ׳existiert hat, wahrscheinlich verwechselt mit einer für die im Allerheiligsten beschäftigten Arbeiter erlassenen Verordnung, die das Anschauen der heiligen Lade verhüten sollte (Mischna Midoth IV, 5) usw. Man sieht überall Mißverständnis. In «iner späteren sehr lesenswerten größeren Abhandlung (Zeitschrift S. 204ff.) unterwirft Ludwig Blau das Fragment unter Vergleichung mit den talmudischen Quellen einer gründlichen Kritik. Mir kam es damals darauf an, einen sinnentstellenden Fehler seitens des griechischen Übersetzers des Fragments nachzuweisen. Dem Hohenpriester, der sich hier rein erklärt, wird entgegengehalten, er habe sich in einem Leitungswasser gebadet, in das ״Hunde und Schweine“ hineingeworfen werden, das also doch keine Reinigung bewirken könne. Üas ist nun aber das Unglaublichste, was auf dem Gebiete der Übersetzungskunst geleistet werden kann! Als ob Hunde und Schweine so kleine Lebewesen wären, deren man sich durch hineinwerfen in einen Wasserlauf so entledigen kann, daß sie weggeschwemmt