Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 249 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292992--03542-2296820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mussarbemerkungen zur Zeitgeschichte. 249 sachlich. Er erklärt rund heraus, daß England weder heute noch in aller Zukunft jemals willens sein wird, von den grundsätzliehen 1Forderungen seiner Politik abzugehen, Forderungen die dahin zu formulieren sind: ״Englands Flotte muß die Meere beherrschen in einer Stärke, die eine Bedrohung durch irgend eine rivalisierende Flotte oder Kombination von Flotten ausschließt. England kann keiner Kontinentalmacht eine derartige Überlegenheit in Europa zuerkennen, durch die ihm die Möglichkeit genommen würde unter Einsatz seiner eigenen militärischen Kräfte einen beliebigen Gegner auf dem Festlande niederzuwerfen, England muß sich stets die Kontrolle der Nordseeküsten und die Sicherung des Zuganges zum europäischen Festlande offen halten“. ״Das ist kurz gesagt, das englische Äquivalent der Monroe-Doktrin, zwar wie diese nicht ethisch zu rechtfertigen, aber aus Notwendigkeiten für das nationale Dasein Englands zu erklären.״ Diese Forderungen macht sich, wie gesagt, Shaw zu eigen. Und nun zeigt Shaw, wie die Politik Englands lange Jahre vor dem Kriege unter diesem Zeichen stand, wie alle Abmaehungen mit Frankreich, alle Besprechungen mit Belgien nur der Vorbereitung des Krieges dienten. Die auswärtige Politik seit 1906 unter Asquith, Grey und Haldane war nach Shaw eine bis in alle Einzelheiten vorgefaßte politische und technische Vorbereitung zum Kriege gegen Deutschland. Als der Krieg ausbrach, war England bis zur Grenze seiner Verpflichtung weitaus der am besten Vorbereitete aller Kriegführenden. Und doeh wollen, sagt Shaw, die Kriegshetzer auch heute noch nicht verstummen mit dem albernen Märchen: ״England sei unschuldig am Kriege, da es unvorbereitet gewesen“. 'Während unsere Delegierten zur Friedenskonferenz gehen, bezichtigt die englische Presse immer noch Deutschland der Schuld am Kriege und zitiert gleichzeitig mit Genugtuung die Rechtfertigung Lord Haldane’s darüber, wie er die Deutschen an Kriegsvorbereitungen übertroffen habe. Was Shaw nun darüber sagt, wie man es verstanden habe, acht Jahre lang vor dem Kriege sich die Positionen für