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Jeschurun · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 243 (sequence 21)
Language
German
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Hussarbemerkiingen zur Zeitgeschichte. 243 Maximilian Harden ist sehr oft anderer Meinung gewesen, anderer Meinung als die ״öffentliche Meinung.“ Das war für den Leser kein Unglück, denn so wurde eben eine jede Sache _auch von der anderen Seite beleuchtet, und die Gesichtspunkte in den Vordergrund gerückt, die man übersehen. Er hat sehr oft in den politischen Prophezeiungen geirrt; das ist das Los derer, die gezwungen sind, zu einer politischen Maßnahme sich unzweideutig zu äußern, und die nun der Vorsehung doch nicht in die Karten schauen können, die dafür sorgt, daß alle Berechnungen durch plötzlich eintretende Konstellationen sich oft als falsch erweisen. Er hat seine Meinung vor allem in dem Krieg und durch den Krieg geändert; das darf kein Vorwurf sein. Nicht diejenigen sind die rechten Charaktere, die jetzt in der Niederlage sich zu anderen Anschauungen bekehren, sondern die, denen das Entsetzliche dieses Krieges gleich zu Anfang zu vollem Bewußtsein kam, die in ihm den Bankrott der Menschheit sahen. Aber er fordert zur Buße auf, zu unzweideutigem Sündenbekenntnis, nicht nur für das. was im Verlauf dieses Krieges geschehen, sondern für die alleinige Urheberschaft in diesem Kriege. Und das ists, was nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann, was als unsittlich gegeißelt werden muß. Nicht als ob wir an dem guten Glauben Hardens zweifeln wollten. Daß er aber all die anderen In־ stanzen, die gegen ihn sprechen, aus seinem Bewußtsein ausschaltet, daß er, dem doch alles was für die Schuld unserer Feinde spricht, aus seiner politisch-literarischen Tätigkeit bekannt sein muß, so völlig vergessen hat und vergessen will, das ist ein Zeichen umgekehrter Kriegspsychose, die nicht minder, wie die frühere, verwerflich ist. Doch vorher noch eins: darf Maximilian Harden dem preußischen Militarismus den Spiegel Vorhalten? Wir sagten schon: nur ein Banause oder Wicht darf sich angesichts der Weltkatastrophe etwas darauf zu Gute halten, daß er seine Meinung nicht geändert. Aber immerhin: es gibt doch eine Grenze für den, der die Anderen heißt: reuig an ihre Brust zu schlagen. Und wer selbst Schuld auf sich geladen, der 17*

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