Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 242 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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242 Mnssarbemerknngen zur Zeitgeschichte. Jüdische längst abgestreift und aus ihrem Innern völlig ausgerodet haben, ziehen mit ihm an dem gleichen Strang. Und der jüdische Geist wird wieder einmal dafür verantwortlich gemacht. Da ist es von Wichtigkeit zu zeigen, wie diese Art der תשובה in Wahrheit völlig unjüdisch ist, wie auch in der Selbstbeurteilung die Forderung der Gerechtigkeit nicht vernachlässigt werden darf, nicht nur zur Verteidigung, sondern zur Selbstbesinnung. Wir greifen Maximilian Harden heraus, weil er der Bedeutendste ist. Er ist wirklich nicht nur der bedeutendste Pamphletist, wie ihn Arthur Levysohn einmal nannte, er ist der bedeutendste politische Schriftsteller Deutschlands. Die Vielseitigkeit seines Wissens ist staunenerregend. Man kann nur über die lächeln, die da glauben, daß er seine Aufsätze mit Flicken aus seinem Zettelkasten aufputze. Ich kann es an dem, was er aus der jüdischen Literatur einflicht, nachprüfen, daß es sich da nicht um Material handelt, das er mühsam für einen bestimmten Aufsatz zusammengesucht, sondern, daß ihm die Zitate aus den Tiefen des Unbewußten emporsteigen, ob es sich um die Bibel handelt, in deren Kenntnis er manchen Theologen beschämt, oder um die reiche Literatur, die in moderner Zeit über Religion und Stellung des Judentums entstanden. Seine Theaterkritiken sind noch jetzt nach einem Menschenalter, auch wo sie die unbeträchtlichsten Stücke behandeln, so frisch und lebendig und interessant, wie an dem Tage, da sie geschrieben wurden. Auch zahlreiche seiner politischen Artikel sind von unvergänglichem Reiz; sie führen uns in den Kernpunkt des Problems und sind von einer Poesie durchglüht, wie der wenigstens mir bekannte Journalismus sie nie erreicht hat. ״In den Brunnen, aus dem du getrunken, sollst du keinen Stein werfen.“ Und wer noch heute an den alten Bänden der ״Zukunft“ sich erfreut, der darf den Dankeszoll dem Spender dieser Gaben nicht versagen. Er wird seiner Stimme auch dann lauschen, wenn sie ihm Dinge sagt, die zu hören ihm ״ unlieb sind, und über die er eine andere Meinung hat.