Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 244 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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244 MTLSsarbemerkimgen zur Zeitgeschichte. müßte, auch wenn er von noch so guter Absicht beseelt ist, an sich halten. Wer war es denn Jahrzehnte hindurch, der die Kaste, die letzten Endes die Hauptschuld trägt — mögen sich noch so viele in die Schuld teilen — so zärtlich gestreichelt hat, der nicht müde wurde, sie als die Blüte der deutschen Menschheit hinzustellen. Harden war ein zu guter Europäer, als daß er nicht die Schwächen dieser Kaste erkannt, ihren geringen Sinn für die Bildung, ihre Engherzigkeit, ihren beschränkten Kassenhaß. Er hatte schon früh ein tiefes Verständnis für die sozialistische Bewegung und suchte Bismarck, an dem er sonst alles bewunderte, wegen seines Sozialistengesetzes zu entschuldigen, von einem 1815 geborenen Märker könne man nicht verlangen, daß er sich in die Bedeutung neuer Ideen schicke. Er hat die Zickzackpolitik des Kaisers und seiner Kegierungen mit einer Erbitterung ohne Gleichen bekämpft und hat diesem Kampf das Opfer der Freiheit gebracht. Er hat früh die Gefahren gesehen, die aus der Industrialisierung Deutschlands für die Weltpolitik sich ergeben und oft und ]aut seine warnende Stimme erhoben. Er hat die Verlogenheit aller Parteien gegeißelt, wenn er auch mit den*Konservativen immer am sanftesten umging. Wer aber hat all das, was die Feinde nun als eigentlichen Kriegszweck ausgegeben haben und das die Deutschen mit Stumpf und Stiel jetzt ausroden sollen, den preußischen Militarismus und seine Träger, die Junker* mit so hingebungsvoller Liebe umfangen als gerade Harden? Wer die Demokratie und den Parlamentarismus, und zu diesen Idealen — nicht wahr — soll Deutschland sich doch jetzt in aufrichtiger Keue über seine Vergangenheit vor allem bekennen, für diese Ideale hat die ganze Welt doch gekämpft —, wer hat diese Ideale mit beißenderem Spott bedacht als Harden? Nie und von Keinem ist die Gruppe, die nun einmal diese Ideale auf ihre Fahnen geschrieben — wie weit sie in ihrer Vertretung gefehlt, mag dahingestellt sein — nie ist diese Gruppe mit solchem Haß, ja mit solcher Verachtung behandelt worden, wie von ״Apostata“. Wer hat in Leitartikeln ohne Zahl. gepredigt, daß die politischen Parteien nur Interessen-