Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Mussaxbemerkungen zur Zeitgeschichte. I. Das Weltgericht oder Maß fut Maß. Eine Welten wende bereitet sich vor, von der wir nach menschlichem Ermessen erst das Vorspiel erlebt. Oder glaubt ein vernünftiger Mensch wirklich, daß die Arbeit des Dreirats das letzte Wort ist, daß drei so kleine Menschen, die keinen Funken besitzen, wie er dem von Gott der Menschheit oder einem Volke gesandten Genius eigen ist, die nichts sind als rücksichtslose und arbeitsfähige Kraftmenschen, daß ein nichts als Ministerstürzer, ein Demagoge, ein Kompilator von Banalitäten die aus den Fugen geratene Welt zurechtrenken werden? Ach nein, Gott bat freilich mancherlei Gesandte, aber sie pflegen doch von anderem Wuchs zu sein. Es sind eben nur die kleinen Figuranten im Vorspiel zu jenem gewaltigen Drama, das jetzt erst anhebt, das die ganze Gestaltung der Menschheit umwandeln wird, und dessen letzten Akt vielleicht erst unsere Urenkel erleben werden. Ein Vorspiel nur! Und wie hat sich in der kurzen Spanne von kaum zwei Jahren schon das große Grundprinzip der jüdischen Auffassung vom Weltgeschehen erfüllt. Was bei der ersten Katastrophe, die über ein großes mächtiges Volk kam, die Bibel ausspricht כי בדבר אשר זדו עליהם daß die Gottheit es nur mit dem gestraft habe, was es selbst freventlich geübt, was Talmud und Midrasch als ״ מדר. כנגד מרהMaß für Maß“ im Leben aller biblischen Gestalten, alles Erlebens der Völkergeschichte aufzuzeigen nicht müde werden, das sehen wir mit Zittern und Zagen aber mit ehrfürchtiger Ergebung in die Gerechtigkeit des göttlichen Waltens bei allen Umwälzungen und Wandlungen von weltgeschichtlicher Bedeutung in den letzten Jahren zur Erfüllung gekommen. ״Maß für Maß“. Denjenigen, der den Frevel begangen hat, erreicht nicht nur das Geschick, es trifft ihn in demselben Umfang, wie er ihn begangen, ja in der gleichen Art und er selbst ist Schuld, daß die Strafe den gleichen Charakter erhält. So hat er bei dem furchtbaren Unglück, das über ihn hereinbricht, nicht das tröstende Bewußtsein, daß er das allgemeine