Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 221 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Kultnrproblem. 221 Die deutsche Orthodoxie muß eine Wendung zum Hebräischen machen. In den Erziehungsplänen müssen entsprechende Änderungen vorgenommen werden. Es ist aber auch die Zahl der Erwachsenen nicht gering, die hebräische Texte, wenn auch nur mangelhaft liest. Diese sollen den Versuch machen, sich in das moderne Hebräisch hineinzulesen, und sie werden nach kurzer Zeit es bis zur Beherrschung der Sprache bringen. Der Weg führt freilich notwendig über die moderne Literatur. Die deutsche Orthodoxie kann aber keine Bedenken haben; da sie ihrer Jugend Dehmel freigibt, kann sie ihr Bialik und J. Kahn gewiß nicht wehren. Die deutsche Orthodoxie soll für sich den Weg zur lebenden hebräischen Sprache betreten, vielleicht auch den Weg für die Zaghaften in Osteuropa ebnen, ihn freimachen und mit Wehren versehen. Die deutsche Orthodoxie hat die Pflicht, der osteuropäischen Orthodoxie bei der Schaffung einer neuen hebräischen Literatur zu helfen. Sie hat es ja zuwege gebracht, ein gewisses Maß europäischer Kultur mit Gesetzestreue zu vereinigen. Diesen Weg muß die osteuropäische Orthodoxie jetzt gehen, und sie wird die hebräische Literatur als Brücke benützen. Wie kann man aber eine hebräische Literatur schaffen? Literaturen müssen wachsen und nicht geschaffen werden. Gewiß, vor allem soll man auch die vorhandenen Kräfte sammeln, die heute verstreut sind oder gar nicht zur Geltung kommen (Rabb. Kuck, Zewi Jawetz, Dr. Mirkin, Josef Babad- Kalusz, Elieser Ladier-Stryj, A. S. Rabinowitz, Kahn-Pethach, Tikwa, J. Weinberg). Auch einige Gelehrte aus der jüdischen Wissenschaft, die auch hebräisch schreiben, könnten sich demselben stärker zuwenden (Aptowitzer, Baneth, Brody, Daiches, Epp enstein, Eppstein, Friedländer, Heller, Lewin-Pethach-Tikwa, Mittwoch u. a. mehr). Der Sammlung dieser Kräffce kann eine vornehme Revue dienen, die nicht dem politischen Kampf, nicht unvornehmem Geplänkel gewidmet sein soll. Die vorhandenen Kräfte sollen hier ungehemmt zur Geltung kommen. Keine Verpflichtung, eine gewisse Anzahl Bogen Literatur zu