Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 222 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 Ein Knltnrproblem. bieten, sondern was an wirklichen Werten zusammenkommt. Kulturfragen, Weltanschauungsfragen, wissenschaftlich aber jedem Gebildeten zugänglich, sollen hier behandelt werden. Dichtungen kann man nicht in Auftrag geben, aber sie sollen offene Türen finden. Doch die breiten Massen brauchen schon morgen Lektüre, und eine Literatur entsteht nicht auf Bestellung. So muß eine Auswahlserie aus der alten Literatur für das Volk geschaffen werden. Legendenwerke, Erzählungen, Auszüge aus Moral- Schriften und Homilien, Auswahl aus Dichtern, Sentenzen- Sammlungen. Aus der gesamten alten Literatur soll all das, was ohne Voraussetzungen und Belehrungen verständlich ist, ausgewählt werden. Aus jedem großen Folianten ein kleines lebendiges Heft. Schon unsere Alten haben solche Auswahlen veranstaltet (Kizzurim). Die Maßstäbe für die Auswahl müßten geschaffen werden. Sprachlich soll am alten Stil nicht geändert werden (abgesehen von offenkundigen grammatikalischen Fehlern). Die alten Schriften sollen in ihrer eigenen Sprache zu Herzen sprechen. Die Bearbeiter sollen nicht zwischen Leser und Buch treten, keine Einleitungen und Kommentare bieten, sie sollen möglichst den Idealismus haben, ungenannt zu bleiben, um den alten Verfasser nicht zu stören. Die Hefte sollen klein und billig sein, durchaus mit Punktation versehen, schwere Worte am Bande erklärt. Für die reifere Jugend braucht man eine Serie moderner Literatur. Ob man eine Auswahl moderner hebräischer Literatur wird bieten wollen, weiß ich nicht. Populäre Wissenschaft und Übersetzungen aus der Weltliteratur können vielleicht dienlich sein. Vielleicht hat auch die deutsche Orthodoxie und jüdische Wissenschaft eine Anzahl bewährter Werke, die übersetzt werden könnten. Die. eigentliche Literatur mag in einer dritten Serie für die gesetzestreue Intelligenz gesammelt werden. Die Talente, die sich einstellen, sollen ihre Schriften leicht zur Ausgabe bringen können; vielleicht erstehen auch bald Dichter in unseren Beihen. Werke jüdischer Wissenschaft für Gebildete,