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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 220 (sequence 102)
Language
German
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220 Ein Kulturproblem. Der Fehler scheint an der Unterrichtsmethode zu liegen. Das Bestreben, in ein angemessenes Deutsch zu übersetzen, dient mehr dem Deutschen als dem Hebräischen. Die umständliche Technik des Unterrichts nimmt zu sehr die knapp bemessene Unterrichtszeit in Anspruch. Es wird auch nicht der Sprung ins selbständige Lesen gemacht. Moderne Texte werden nie gelesen. Für mittelalterliche Texte ist auch oft eine gewisse, wenn auch geringe Kenntnis der mystischen Terminologie nötig, die den deutschen Juden völlig abgeht Ich kann hier die Frage der Unterrichtsmethode nicht behandeln. Aber eines sei gesagt: Hebräische Sprache muß ein Lehrziel werden. Die darauf aufgewandte Zeit wird sich reichlich belohnen. Die Tore der alten hebräischen Literatur wären allen offen, sie wären nicht mehr auf stete Hebammendienste angewiesen. Die moderne Entwicklung muß mitgenommen werden, denn aus langjähriger Erfahrung kann man es sagen, Hebräisch als lebendige Sprache ist viel schneller zu erlernen. Die deutsche Orthodoxie sucht ja letzten Endes den Zusammenhang mit der gesamtjüdischen Welt. Dazu muß sie die hebräische Sprache beherrschen lernen. Deutsch wird nach dem Kriege weniger noch als früher ein internationales Yerständigungsmittel sein. Die deutsche Orthodoxie muß deswegen Hebräisch treiben. Man soll nicht meinen, etwa einige dazu delegieren zu können, die gewissermaßen der Gesamtheit hebräische Sekretäre sein werden. Es kommt auf tiefere Zusammenhänge an. Dasselbe gilt von der Wissenschaft des Judentums und ihren Trägern, auch sie muß sich hebräisch orientieren, denn Deutsch wird aufhören, ein jüdisches Verständigungsmittel zu sein. Dazu kommt noch, daß in Palästina das Hebräische alleinherrschend sein wird. Wenn die deutsche Orthodoxie auf den Aufbau der Gesellschaft dort Einfluß haben will, muß sie sich das Hebräische aneignen, um nicht dort aus der öffentlichen Diskussion ausgeschaltet zu werden. Dasselbe gilt von der ganzen deutschen Judenschaffc.

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