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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 216 (sequence 98)
Language
German
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216 Ein Kultnrproblem. Hier auf palästinischem Boden wächst sich die bisherige Versäumnis zu einer Lebensfrage aus. Ich will hier nicht von Schulfragen sprechen. Aber die Schule, besonders wenn sie hebräische Unterrichtssprache hat, macht notwendig ihre Schüler, wenn sie nicht gar zu beschränkt sind, für die Lektüre reif. Will sie dann aber das Lesen verbieten? oder wie soll sie das Bedürfnis der Schüler und Lehrer decken? Das Lese״ bedürfnis bei den Massen ist auch nicht zu unterschätzen. Jung und alt will unterhaltende Lektüre in modernen Formen und Gedankengängen. Wollen wir nicht die Orthodoxie in Palästina zu einer sozial tieferstehenden Klasse herunterdrücken lassen, muß sie eine*eigene hebräische Literatur haben. Sowohl in Palästina als auch in Osteuropa ist das Entstehen einer modernen hebräischen Literatur für die Orthodoxie eine Frage des Seins oder Nichtseins. Diese Literatur soll den Boden abgeben, auf dem jene für das überlieferte Idealgut mit vollwertigen Waffen kämpfen, auf dem sie mit dem modernen Denken in Fühlung kommen und mit ihm sich auseinandersetzen wird. Aus der modernen Kultur wird ihr neue Kraft Zuwachsen, die neuen literarischen Formen müssen mit den alten, ewig neuen Ideen gefüllt werden. Nicht nur Gegensätzlichkeit, sondern hauptsächlich positive Formung neuen im Interesse der Orthodoxie in der Aussprachfrage in Palästina nicht gegen das Sefardische za sein. Sie kann ja gegen die Aussprache vieler frommer Juden im ganzen Orient nichts sagen, und wozu unnützer weise sich der modernen Aussprachen entschlagen; es ist, als wenn in Deutschland die Orthodoxie just bei einer jargonisiernnden Aussprache beharren wollte. Von Schaden ist auch, daß die Jugend denn doch auf der Straße sefardisch spricht und den Wechsel vornimmt; beim Wechsel kann leicht noch anderes mitgewechselt werden. Die Orthodoxie hat sich auch nicht dagegen gewehrt. Tachkemoni Schule-Jaffa, Cheder Tachkemoni-Jerusalem, Mädchen, schulen der Freien Vereinigung haben sefardische Aussprache eingeführt, aber nicht in allen Schulen, und recht zaghaft. Man soll auch in der Schul- Synagoge die Aussprache ändern, ein Zwiespalt zwischen Synagoge und Leben ist schädlich, gefährlich. Hier ist auch eine kleine Schwierigkeit, es wird aber niemand sagen, daß es geboten sei, die Spaltungen aus der Diaspora in der Aussprache zu verewigen und so die Verlebendigung des Hebräischen, zu verhindern.

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