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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 215 (sequence 97)
Language
German
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Ein Knltnrproblem. 215 hier die hebräische Unterrichtssprache zugeben. Sie wird selbst der gesetzlichen Regelung zustimmen müssen, die als Mindestforderung hebräische Unterrichtssprache von jeder Schule verlangt. Man ist noch zaghaft; in Beiz in Galizien und ebenso im Kreise von David Biederman in Jerusalem gibt man auch das noch nicht zu, und die orthodoxen Schulen gelten nicht als orthodox1). x) Eine Anmerkung liier der Frage der Aussprache gewidmet: Es existieren einige Aussprachen des Hebräischen, die sich zu zwei Gruppen zusammenfassen lassen: Die sefardischen Aussprachen (Marokkanisch, Baikanisch, Persisch, Babylonisch) und die askenasischen (Süddeutsch, Polnisch, Litauisch, Ungarisch, Jemenitisch). In Palästina fließen diese Aussprachen zusammen an einem Orte. Man muß eine Einheitsaussprache haben. Die Entwickelung hat in Palästina die Sefardische dazu gemacht. Noch vor der neuen Kolonisation spielte das Sefardische diese Rolle. Die Sefardim waren die Alteingesessenen, und die zuwandernden Askenazim, sobald sie Hebräisch sprachen, bedienten sich des Sefardischen. Mit der Wiedererweckung des Hebräischen in Palästina — ward dieser Zustand zu einem festen. Wer in Palästina Hebräisch spricht, bedient sich des Sefardischen, dies ist die rezipierte Einheitsaussprache, Normalaussprache. Für das Sefardische sprechen noch einige Gründe: Seine Historizität, Septuaginta und klassische Fremdwörter im Talmud scheinen für es zu sprechen. Die Grammatik, wie sie aufgebaut ist, scheint es anzunehmen. Die Autorität der Wissenschaft, der Universitäten stützt es. Sein Wohllaut, die richtige Betonung in ihm spricht für dasselbe. Das Askenasische scheint teilweise unter dem Einfluß der Landessprachen zu stehen. So scheinen sich in Deutschland nieder- und hochdeutsche Gegenden merklich zu unterscheiden. Das deutsche au cholam scheint zum Beispiel erst spät aus Westdeutschland sich ausgebreitet zu haben. Für einen solchen Einfluß spricht die Tatsache, daß der Lautwandel von Schriftdeutsch zu Jüdisch-Deutsch genau derselbe ist, wie zwischen Sefardisch und Askenasisch (das dos dus; Gabel gupel; ruhig rühig; Rot rojt röt rejt; Lehm leim. Philipp Mansch und Heinrich Löwe haben Studien darüber angestellt). Dagegen scheint auch für die askenasischen Aussprachen einige historische Berechtigung (in welchem Maße, ist schwer zu sagen) vorhanden zu sein, und die tiberiensische Punktuation entspricht ihnen teilweise (die babylonische dem Sefardischen), aber das * wiegt gering gegen die Notwendigkeit einer Einheitsaussprache. Die sefardische Aussprache hat sich auch in Palästina durchgesetzt und ist dort die gesellschaftliche Normalaussprache, von allen Schulen eingeführt, überall, wo gesprochen wird, herrschend, und den Einzelaussprachen gegenüber die moderne Aussprache. Es scheint nun

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