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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 214 (sequence 96)
Language
German
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214 Ein Kulturproblem. Die Zahl der hebräischen Schriftsteller, die im orthodoxen Lager stehen ist, dabei nicht gering, und sehr bedeutende Stilisten sind darunter (M. Pines, E. Atlas, Z. Jawetz, Rab. Kuck, Tosfai, A. S. Rabinowitz, Tamaris, Dr. J. Selinger). Belletristen sind freilich darunter nicht. Sie alle wirken aber nicht als geschlossene Gruppe. Sie sind von der Orthodoxie zurückgewiesen, und ihre Leser gehören nicht ihren Reihen an. Die Orthodoxie befindet sich aber auch dadurch in schiefer Lage, daß sie durch den traditionellen Thoraunterricht eigentlich für die Verbreitung des Hebräischen wirkt und bis vor Kurzem immer der hebräischen Literatur ihre Leser und Schriftsteiler erzog, der hebräischen Literatur, die sie doch verboten hat. Kompliziert wurde die Lage noch durch die neuentstehende Jargonliteratur, deren Sprache man nicht zu lernen brauchte. Zuletzt mußte man auch allmählich den Kampf gegen die Landessprachen aufgeben. Die hebräische Literatur blieb aber nach wie vor die Verbreiterin von Weltanschauungen und Geistesfragen. Wenn man der östlichen Orthodoxie den Rat erteilen wollte, sich in die Arena zu begeben, ausgerüstet mit den Waffen, die in ihr galten, so war diese Arena die hebräische Literatur. Wer schon die Hemmungen überwunden hat, ein fremdsprachliches Buch zu lesen, ist schon zumeist innerlich abgelöst. Die Ideen kommen auch größtenteils in hebräischem Gewände und erregen Fragen und schaffen Konflikte. Eine hebräische Literatur braucht man also, in der die Orthodoxie ihren Ideen und ihrem Geist Form geben muß. Jetzt endlich scheint im Osten die Erkenntnis zu dämmern, daß es so nicht weiter geht, und in zwölfter Stunde hat man sich zum Entschluß aufgerafft, hebräische Schulen zu gründen, und die passive Abschließung aufzugeben. Ebenso hat die Orthodoxie in Palästina die hebräische Unterrichtssprache eingeführt, so in den Schulen der Freien Vereinigung. In Palästina ist Hebräisch die Kultursprache, hat auch nationalpolitische Bedeutung. Die Orthodoxie muß

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