Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 208 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Ein Knltnrproblem. Meliza, der Musivstil, auf, in dem halbe und ganze Bibelverse aneinandergereiht werden, um einen in deutscher Sprache vorgedachten Gedanken annähernd auszudrücken. Anerkennen muß man, daß die Haskala auf Reinigung der Sprache drängte. Der rabbinisehe Stil war hart vor dieser Zeit stark verwildert, achtete nicht auf Sprachrichtigkeit, und trieb eine arge aramäische Sprachmengerei. Gegen diese Mängel kämpfte die Haskala an, sie führte vor allem zur grammatischen Richtigkeit zurück. Das war es auch, was ihren Bestrebungen einige Berechtigung gab. Im übrigen ist der Purismus wahrscheinlich aus der allgemeinen Auflehnung gegen den Rabbinismus zu erklären. Die Haskala reinigte die hebräische Sprache so lange und so konsequent, bis sie eines schönen Todes sterben konnte. Damals wurde das Problematische in das Verhältnis der orthodoxen Judenheit zur hebräischen Sprache hineingetragen. Die Orthodoxie widerstrebte wie der Haskala überhaupt, so auch dieser Sprachbewegung, sie wollte schlechterdings von ihr nichts wissen. Sie hatte das richtige Gefühl, daß es unhistorische, lebensfeindliche Bestrebungen waren. Die Orthodoxie schrieb nach wie vor ihr altes nicht purifiziertes Hebräisch, wies den neuen Purismus ab, ließ es sich nicht nehmen, den alten ungekürzten Wortschatz in gewohnter Freiheit zu gebrauchen. Einige der großen Rabbinen jener Zeit schrieben ein sehr gewandtes fließendes Hebräisch (Moses *Sofer, Akiba Eger, Jecheskel Landau, Jakob Lissa, Jakob Emden). Alle Responsen und Entscheide der Rabbinen wurden hebräisch geschrieben, und es entstanden noch umfangreiche Werke in hebräischer Sprache. Die chassidische Literatur erlebte in derselben Zeit eine reiche, wenn auch sehr kurze Blüt^ und schuf etwa gleichzeitig mit der Meliza den verwilderten, jargonisierten aber lebendigen und reizvollen chassidischen Stil, der ihr ein völlig ausreichendes Ausdruckmittel wurde. Ein Übriges und nur vom Übel war es freilich, daß sie sich auch gegen die Sprachrichtigkeit, gegen die Grammatik auflehnten, ja soweit gingen, die Bibel aus dem Jugendunterrichte