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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 206 (sequence 88)
Language
German
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206 Ein Kulturprobleme. die Sprache des Gebets, die Sprache Gottes1). Dem Gemeindegebet hauptsächlich verdanken wir die Erhaltung, die Lebendigkeit des Hebräischen in der Diaspora. Ohne diese Institution des Gemeindegebets wäre es nicht lebendig, vielleicht überhaupt nicht am Leben geblieben. Nur das Gemeindegebet zwang alle zur Sprache. Die alten schlichtklassiscben Gebettexte machten einen großen Wortschatz wirklich lebendig. Gebet und Lernen brachten es mit sich, daß der Jude mehr hebräische Worte im Laufe seines Tages aussprach als in seiner Umgangssprache. Das ״Lernen“ in den heiligen hebräischen Texten ist Gebot, ja mehr als das, ist tragender Pfeiler. Die hebräische Sprache ist die einzig gütige Form des Gesetzes, dessen meiste Begriffe unablösbar in ihr verwachsen, unübersetzbar sind. Es ist kennzeichnend sowohl für Lehre als für Sprache, daß die Grundbegriffe nie Wort und Inhalt gewechselt haben, während über alle europäischen Völker und Sprachen einmal eine Krisis kam, die die wesentlichsten Wörter und Begriffe inhaltlich wandelte. Für uns sind Übersetzungen immer höchstens ein Mittel, das die Ungebildeten zu den Texten, zu den Quellen führen sollte. Jar das Hebräischlernen als solches beansprucht Gebot zu sein. ״Wenn das Fand Vater und Mutter rufen kann, spricht der Vater Hebräisch mit ihm“. Die deutsche Orthodoxie im besonderen hat um das Hebräische schwer gerungen sie erhielt es sich gegen Reform und liberales Judentum, und sie hat sein Verschwinden selbst aus der liberalen Synagoge gewiß aufgehalten. Kann nun noch Hebräisch für die orthodoxe Judenheit zu einem Problem werden? Und doch liegt hier ein schwerwiegendes Problem vor, das im Schnittpunkt sehr vieler Fragen liegt; wir werden Mühe haben, den verschiedenen berührten Fragen auszuweichen. Um uns den Weg zu unserer Frage zu bahnen, müssen wir das Leben der hebräischen Sprache im Mittelalter kurz ג) In למורן* הקודש ist הקודש wahrscheinlich eine Benennung Gottes, gleich!קודשא ב״דל;הגבורה entspricht einem hebräischen ׳הקודש ב״ה• das später zu הקדוש ב״ה geworden ist.

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