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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 193 (sequence 75)
Language
German
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Die Josephserzählung. 193 Märchen von den zwei Brüdern eine nicht unwesentliche Bolle (s. z. B. S. 128, 159f. 171, 175). Seine Untersuchung stellt alles in den Schatten, Was je spielerische Künstelei und Deutelei ausgesponnen hat; nur daß er die krummsten und ausgefallensten Kombinationen für die einfachste und geradeste Sache von der Welt hält. S. 182 lesen wir: Schon bei ganz oberflächlicher Betrachtung weist die Gestalt ,des Moses Züge auf, die die Vermutung nahe legen, daß er Drachenkämpfer ist. Auf derselben Seite heißt es: Nun beginnt die Argonautensage damit, daß Pelias den Jason zu Aites schickt, damit er mit dem goldenen Vließe die Seele des Phrixos, der in der Fremde gestorben ist, in die Heimat zurückbringe. Ebenso ist Joseph in der Fremde gestorben; seine Gebeine (d. h. seine Seele) weilen in Ägypten. Und Mose führt seine Seele, seine Gebeine, fort und bringt sie zurück in das Heimatland. Gebeine werden selbstredend in einer Totenlade transportiert. Mose zieht also aus Ägypten mit einer Lade. Wir gewinnen also die Gleichung: Seele des Phryxos== Gebeine des Joseph=Bundeslade. Ich denke zu hoch von dem Leser, als daß ich hier erst notwendig fände, ihm weitläufig nachzuweisen, auf welchem hohlen Untergründe diese Luftschlösser aufgebaut sind. Gebeine und Seele ist für Stucken ohne weiteres ein und dasselbe, — hier charakterisiert er sich selber: Seele und Körper, Inhalt und Form wirft diese ganze Auslegungsmethode wirr durcheinander —, Bundeslade und Totenbahre gewißlich. Und wenn zwei Leute in der Fremde sterben, so erregt selbst das schon im vorhinein kraft dieser Methode den Verdacht, daß es sich im Grunde um ein und dieselbe Person handle. Doch wir wollen Stucken nicht unrecht tun und nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß nach ihm die Richtigkeit dieser ־ Gleichung sich aus der folgenden Untersuchung ergebe.‘ Im ersten Buch Samuelis 5,8—10 (bei Stucken wird statt dessen zweimal irrtümlich Exodus gesagt!) werde mitgeteilt, daß die Israeliten die Lade Gottes nach Gath führten, die Bewohner der Stadt geschlagen wurden, die Hand Gottes schwer über der Stadt lastete in Gestalt einer gewaltigen Pest. Dem stehe gegenüber, daß ״während die Lade mit den Gebeinen Josephs noeh in Ägypten weilt, die Ägypter von zehn Plagen heimgesucht wurden. Darunter die fünfte Plage: Die Viehpest und die sechste Plage: die Beulen. Die Ägypter wollen erst die Israeliten nicht ziehen lassen, d. h. sie wollen die Lade erst nicht frei geben, aber durch die Plage werden die Ägypter umgestimmt und wollen die Lade wieder los sein.“ Liest man dergleichen, so könnte man bisweilen glauben, eine Parodie des Midrasch vor sich zu haben, die seine äußere Art nachahmt, ohne die Kraft seiner Seele und seines Geistes auch nur von ferne zu ahnen. Und das alles gibt sich als wissenschaftliche Schriftdeutung schlechthin in dickleibigen Schriften! 844834017801

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