Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 192 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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1g2 Die Josephserzählung. darum (!) zur Nahrung verbotene Schwein“. Jeremias meint S. 330 Anm. 2 gegen einen neueren Kritiker: ״Ohne Kenntnis der altorientalischen Lehre ist das Kritisieren verhängnisvoll“. Sehr richtig! Aber ohne genaue Kenntnis des Hebräischen und der ״israelitischen Kultbegriffe“ das Mythologisieren nicht minder. Was terepha bedeutet, scheint Jeremias ganz vergessen zu haben. Auch scheint er nicht mehr zu wissen, daß das Schwein nie und nimmer terepha genannt wird oder auch nur genannt werden könnte. Er verwechselt טבלא mit!סרפד. Und in seinem Handbuch der altorientalischen ״Geisteskultur (Leipzig Hinrichs) meint Jeremias S. 2651z ״Das älteste direkte Zeugnis für die Tötung durch den Eber liegt vielleicht im Motive der Zerreißung durch den Eber im Tammuzstil der Josephsgeschichte“. Also auch hier ist die dazu vollkommen irrtümliche Auffassung, daß der Eber oder das Schwein überhaupt terepha genannt wird oder genannt werden könnte, die einzige Grundlage für jene Behauptung! Als ob selbst, wenn jene Voraussetzung zuträfe, damit der geringste Anhaltspunkt für diese ganze Auffassung gegeben wäre! Der unbefangene Leser muß auf Grund der oben angeführten Worte zu der Ansicht gelangen, daß wenigstens irgendwelche ähnlichen rythmischen Worte als Klage des Tammuz, den der Eber zerrissen hat, überliefert sind. Was könnte selbst dies beweisen, nachdem das Bibelwort doch ohnehin schlicht und recht am besten aus sich selbst heraus zu verstehen ist. Aber selbst jene Annahme trifft nicht einmal zu. Jeremias muß Handb. a. a. 0. S. 264 selbst zugeben: ״Die Ansicht, daß Tammuz durch ein feindliches Tier seinen Untergang finde, die in der hellenistischen Ausprägung des Mythos hervortritt, kann für Babylonien nur indirekt daraus erschlossen werden, daß dem Gotte Ninib, dem der Monat Tammuz gehört, der Eber heilig ist“. Die Flüchtigkeit, deren sich Jeremias schuldig macht, wird dadurch nicht kleiner, daß sie sich gelegentlich auch bei H. Winckler, Geschichte Israels II Leipzig Pfeifer 1900 S. 76 und bes. Altorientalische Forschungen HI, 1 1906 S. 451 findet. Das gelehrte Buch von Jeremias über das Alte Testament breitet eine Fülle außerordentlich aufschlußreichen und wertvollen Materials aus. Um so mehr ist es zu beklagen, daß die Lektüre des Werkes und seine Benützung so sehr erschwert und verleidet wird durch den Mythologie sierungswahn, der bei seinem Verfasser bis ins Unglaubliche gesteigert ist, und der allein es verschuldet, daß solche Versehen, wie die hier gekennzeichneten, bei ihm möglich wurden. Sie sind eines Gelehrten von seinem Bange wahrlich nicht würdig. Auf Jeremias selbst haben den tiefsten Einfluß geübt A. Stucken und der von diesem stark beeinflußte H. Winckler, der diese Theorien oft nach einer ganz neuen Seite hin ausgebaut hat. Auch in den Ausführungen Stuckens: Astralmythen der Hebräer, Babylonier und Ägypter IH Jacob, Leipzig, Pfeifer 1899, spielt das