Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 190 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Die Josephserzählung. Teil des Märchens von den :zwei Brüdern, das in der Tat, wie die neuere und neueste Forschung immer deutlicher erweist, auf das tiefste von dem Osirismythus beeinflußt ist. Dabei scheint gerade Völter sehr wohl zu empfinden, daß jene angeblichen Ähnlichkeiten recht dürftig sind und auch von seinem Standpunkt aus für eine solche Behauptung keineswegs ausreichen. Um dennoch eine scheinbar festere Grundlage für seine These zu gewinnen, sieht er sich zu der Vermutung veranlaßt, ״daß das ägyptische Märchen gewiß noch in andern Rezensionen oder Variationen im Umlauf war, als in dem uns erhaltenen Papyrus“. (Die Patriarchen Israels S. 82), ohne zu bedenken, daß selbst eine solche Annahme erst daun methodisch bedeutsam sein könnte, wenn der Nach״ weis gelänge, daß jene Variationen die vorausgesetzten oder gewünschten Abweichungen enthalten, diese aber auf anderem Wege oder aus der Sache selbst nicht jedesmal zu erklären sind. Völter beschließt seine bezügliche Gegenüberstellung mit den Sätzen: ״Ungerechte Verfolgung des Joseph bzw. Bata ist hier wie dort die Folge. Bata flieht ins Zedemthal, d. h. in die Unterwelt, Joseph kommt ins Gefängnis, das auch die Unterwelt bedeutet“ (vgl. 1. Petr. 319). Der Vergleich hinkt in allen Teilen. Das Zedemthal ist durch die Forschungen Sethes (Zeitschr. für egypt. Sprache Bd. 45 S. 12 f.) allerdings in eine ganz neue Beleuchtung gerückt worden. Dennoch darf es nicht so ohne weiteres der Unterwelt gleichgesetzt werden. H. Schneider, Kultur und Denken der alten Ägypter, nennt es S. 256 ein diesseitiges Jenseits. Bata lebt dort von seinem Herzen getrennt das Dasein eines Toten aus den ältesten Texten, eines Jägers und Helden. Aber der eigentliche Tod erfolgt erst durch die Fällung der Zeder 'und den Verlust des Herzens. Solange das Herz unbeschädigt auf der Zedemblüte liegt, kann ihm niemand etwas anhaben; und so erschlägt er alle Krieger, die ausgezogen sind, um sein Weib zu rauben, bis auf einen. (S. auch M. Burchardt. Das Herz des Bata. Zeitschr. f. egypt. Sprache Bd. 50 S. 118 f.). Und was die angezogene neutestamentliche Stelle angeht, so ist kein Zweifel, daß in ihr die Bezeichnung Gefängnis für die Unterweit bildlich angewandt wird, wie übrigens ähnliche Wendungen auch in unserer heiligen Schrift zu finden sind. Das erlaubt aber keineswegs überall, wo von Gefängnis gesprochen wird, statt dessen einfach Gruft und Unterwelt zu setzen. Eerdmans meint zu der These Völters ►־ ״Völter zieht aus den ägyptischen Sagen gerade das aus, was ihm für seine Zwecke paßt. Wenn man aber die ganze Erzählung liest, sieht man, daß sich die Erzählungen gar nicht vergleichen lassen“ (a. a. O. II S. 24). Es muß hinzugefügt werden, daß selbst das, was Völter gerade .herauszugreifen für gut befindet, vielfach, auch für sich betrachtet, alles weniger als auch nur rein äußerlieh übereinstimmt, geschweige denn irgendwelche sachliche Bedeutung beanspruchen könnte. So