Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 187 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292991--03477-2296754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Josephserzählung. 187 was S. 18 in der Wiedergabe des Gilgamesch-Epos mitgeteilt ist, daß nämlich Isehtar an Gilgamesch bei ihrer Werbung um seine Gunst die Bitte richtet: ״Sei Du mein Mann, und ich will Dein Weib sein“. Ebenso ist vergessen, daß Gilgamesch ihr eine Absage darum gibt, weil sie fünfe, mit denen sie gebuhlt, ins Unglück gestürzt und mißhandelt batte. Den sechsten, Ischulanu, den sie zum Mahle einlud, der sie aber höhnend zurückwies, den schlug sie und verwandelte ihn gleichfalls in ein Tier, das nun eingesperrt sitzt und sich nicht rühren kann“. Statt dessen weiß Jensen S. 255 nur davon zu erzählen, daß der Gärtner ihres Vaters ״irgendwie festgesetzt wurde“. Mit die Hauptsache, daß er in ein Tier verwandelt worden war, wird hier verschwiegen. Und unerwähnt bleibt schließlich, daß Gilgamesch seine Weigerung mit den Worten schließt: ״Und auch mich wirst Du, da Du mich liebst, jenen gleich behandeln“. Welche gequälten Erklärungsversuche Jensen kraft seiner Theorie herbeizuzerren genötigt ist, mag noch das folgende Beispiel zeigen: ״Joseph wird gefangen gesetzt nicht wie Gilgamesch, sondern wie Ischulanu der, wie Gilgamesch auf das Liebeswerben der Isehtar eine abweisende, kühle Antwort gab ....... und Joseph arbeitet im Hause dessen, bei dem sich das Weib des Potiphar beklagt, wie Ischulanu im Garten dessen, bei dem sich Isehtar beklagt. Also entspricht Joseph nicht nur dem Gilgamesch, sondern auch dem Ischulanu und umfaßt beide“. Schade um den Fleiß, der auf solche abenteuerlichen Lächerlichkeiten verwandt wird. Das 1030 Seiten umfassende Buch des grundgelehrten, scharfsinnigen Mannes ist, zieht man den ersten Teil ab, der das Epos selbst mitteilt, Seite auf Seite ein trauriges Zeugnis für die methodischen Abwege, auf die der Verfasser durch vergewaltigt“. Diese Ergänzung ist unstatthaft. Das Epos erzählt uns nur, daß die ergrimmte Isehtar zum Himmel emporsteigt, zu ihrem Vater, dem Himmelsgotte Anu und sich bei ihm über den Frevel Gilgameschs beklagt. Anu kann es ja nicht unbekannt sein, daß sie schon eine Reihe von Geliebten gehabt hat. Der *Frevel“ Gilgameschs besteht vielmehr gerade darin, daß er ihr Liebeswerben zurückgewiesen hat. 13*