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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 183 (sequence 65)
Language
German
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Die Josephserzählung. 183 die entsprechenden Vorbilder kennen gelernt haben und keineswegs nur fremde Beispiele kopieren. Aus der Gleichheit von bestimmten Situationen, die überall anzutreffen sind, ergeben sich dann aber auch Ähnlichkeiten in Bezug auf viele Einzelheiten wie von selbst. Sind jene vollkommen unabhängig von einander denkbar, so ist kein Anhaltspunkt dafür gegeben, daß es sich nicht auch mit diesen genau ebenso verhalte. Zu größerer Vorsicht, als sie heute bei verwandten Fragen vielfach geübt wird, *ermahnt in ähnlichem Zusammenhang Ilberg in Boschers Lexieon Sp. 2225, ״der nur Zusammenhänge des in der Phaidrasage hervortretenden Novellenmotivs mit dem Orient anzuerkennen vermag“. Wenn nun auch Erwin Bhode, Der griechische Boman, 3. AufL S. 32, der immerhin in seinen Schlußfolgerungen in Bezug auf ähnliche Probleme vergleichsweise sehr behutsam und zurückhaltend ist, gar meint, ״Ob nicht die Sage von Phaidra, die ja auch in Griechenland so vielfach nachgeahmt wurde, Anlaß zu den mannigfachen Erzählungen von der Liebe der Stiefmutter zum Stiefsohne, der Verklagung des Tugendhaften beim Vater usw. wurde“, so soll gewiß nicht geleugnet werden, daß die genannte Sage, die nach dem Zeugnis des Pausanias selbst Barbaren, die nur irgend die griechische Sprache erlernt hatten, bekannt war,* ihre tiefe literarische Wirkung geübt habe1). Aber die Gleichheit des Motivs berechtigt mit nichten, nun auch sofort einen literarischen Zusammenhang anzunehmen, sintemalen diese Gleichheit, wie wir ja soeben erkannt haben, bei tieferem Zusehen nicht einmal immer vollkommen vorhanden ist. In den Zeiten und Ländern der Vielweiberei und des Haremstums war es gewiß nichts Seltenes, daß eine der Frauen des Vaters zur Verführerin an dem Sohne ihres Mannes wurde. Ja, unter solchen Verhältnissen mochte es aus den mannigfachsten Gründen geschehen, daß dieser Fall weit häufiger eintrat als der entgegengesetzte, daß nämlich der Sohn es gewagt hätte, x) Ähnlich urteilt Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf. Griechische Tragödien, H. Euripides, Hippolytos, Berlin. Weidmannsche Buchh. 1899, S. 15 und 17.

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