Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 182 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Die JosephserzäHuiig. «in Anblick, als habe der Schöpfer seine Kraft, auch das Häßlichste bilden zu können, zeigen wollen״. Und in Bezug auf die Sehnsucht Kalaratris nach Sundaraka, ״der die Schönheit seiner Gestalt durch Sittlichkeit und Kenntnisse in strahlendem Lichte zeigte״ meint das Märchen: ״Sicher spielt Kama zuweilen, zum Spott mit dem Häßlichen, daß er in ihr, ohne daß sie ihre Gestalt berücksichtigte, ein Verlangen nach Sundaraka erregte״, (a. a. 0.), Vishnusvami, der Gatte der Kalaratri, .schlägt im Verein mit seinen Schülern, Sundaraka, den jene erfolgreich zu verleumden weiß, mit Fäusten und Stöcken und läßt ihn auf die Straße werfen. Später versucht Kalaratri, den Jüngling nochmals zu bereden. Dieser erwidert ihr ähnlich wie Bata in dem ägyptischen Märchen: ״Sprich nicht so, dies wäre ein großes Verbrechen, denn Du als Gattin meines Lehrers bist mir heilig wie meine Mutter״. Während bei der Darstellung ihres ersten Versuchs, an Sundaraka heranzukommen, erzählt wird: Kalaratri zerfleischt sich wütend selbst ihren Leib mit den Zähnen und Nägeln, zerreist sich die Kleider und läßt die Haare wild flattern, ist das zweite Mal nur berichtet, daß sie sich \mit eigener Hand ihr Oberkleid zerrissen habe. Das Ganze ist aber auf das innigste verwoben mit der vollen Eigenart des charakteristisch indischen Märchens und erhält erst in diesem Zusammenhang sowie durch die nähere phantastisch eigenartige Ausschmückung, die hier alles weniger als bloßes Beiwerk ist, seine richtige Beleuchtung. Diese Probe zeigt zugleich, wie irreführend es ist, wenn man unter dem Hinweis auf gewisse, gleich im ersten Augenblick in die Augen springende Ähnlichkeiten, selbst da, wo es sich hier und dort gewißlich um nichts anderes, als um ein Märchen handelt, allzuschnell bereit ist, gleich von einem Wandermärchen zu sprechen. Erzählungen von Verführungen haben immer Interesse erregt und die Phantasie der Menschen besehäftigt; sie entstehen häufig genug in den verschiedensten Weltgegenden ebenso unabhängig von einander, wie auch im Leben der Verführer oder die Verführerin nicht erst allemal dann mit ihren Künsten beginnen, wenn sie erst für ihr Treiben