Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Die Josephserzählung. sagt sie ihm ja zunächst nur: Störe meine Frisur nicht, was gerade im entgegengesetzten Sinne gedeutet werden könnte. Jedenfalls bricht diese Leidenschaft zu voller Macht jetzt allererst hervor, angesichts des neuerlichen Beweises ungewöhnlieher athletischer Stärke. "Wenn das "Weib meint, ״ich sehe ja täglich deine Kraft“, so denkt sie vielleicht an das, was uns im Beginn des Märchens (Wiedemann, Altägyptische Sagen und Märchen) erzählt wird: ״An jedem Abend kehrte Bata nach Hause zurück: dann war er beladen mit allen Kräutern des Feldes“. Die ernsten Vorstellungen Josephs waren an der Frau Potiphars vollkommen wirkungslos abgeprallt und hatten nur das Gegenteil erreicht. Der Sklave ihres Mannes konnte sich bei aller männlichen Festigkeit, und wiewohl sonst im Hause keiner ״größer“ war als er (v. 9), dennoch nur ״weigern“ (v. 8), dem frechen Begehren der von wilder Sinnen« lust ergriffenen Frau zu willfahren. Der gesellschaftliche Abstand von der Gattin seines Gebieters und die ihrer Stellung schuldige Ehrfurcht machen es ihm vielleicht gar nicht möglich, seiner ganzen Entrüstung leidenschaftlich kräftigen Ausdruck zu geben1). Er weiß sich der Versucherin, als deren Keckheit ihren höchsten Grad erreicht, schließlich nur durch die Flucht zu entziehen. Der jähe Zorn Batas zeigt dem Weibe des Anubis sofort, wessen sie sich zu versehen hat, und daß jener seine Drohung: ״Sage das nicht wieder zu mir usw.a sehr ernst meint. Ja die Versucherin nimmt die Worte noch viel ernster, als sie gesprochen sind; trotz der gegenteiligen Ver« Sicherung Batas ist sie besorgt, verraten zu werden. Die Frau des Anubis handelt aber lediglich aus Furcht, während das Weib Potiphars ausschließlich und allein von der Gier nach Bache bestimmt ist2). Selbstverständlich ist, daß wie hier Potiphar so dort Anubis in Zorn gerät. Dieser Zorn *) Damit stellt nicht in Widerspruch, daß diese Weigerung eine recht entschiedene (s. Lekach tob I S. 198) ist״ 2) Gunkel meint S. 424: . . ״so Texkehrt sich plötzlich ihre verschmähte liebe in Haß; zugleich — so darf man wohl ergänzen —, sieht sie plötzlich, wie gefährlich ihre Lage wird, wenn Joseph das