Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Die Josephserzählung. zu werden droht, wie sie sieh das Weib des Gebieters gegenüber dem Sklaven ihres Gatten immerhin glaubt erlauben zu dürfen. Wenn man betont hat, daß hier wie dort die Versuchung zu einer Zeit erfolgt, in der niemand zu Hause ist, so ist auch das nicht im geringsten auffällig. Der Verführer wird sich natürlich allemal im *Leben und in der Geschichte, wie eben darum auch in der Dichtung, eine Zeit und Ge- Bekräftigung, daß aucli die vorangehenden Worte sehr an sie zu gemahnen schienen. So übersetzt noch G. Maspero, Les contes populaires de l’Egypte ancienne 3. edition p. 6: . . . ״eile se leva, elLe le saisit, eile lui dit“, was an die Worte ותתפטודלו בבגדו v. 12 anzuklingen schien Diese Übersetzung ist aber heute allgemein als falsch erkannt worden. Weniger kommt in Betracht, daß man dazumal die Frau des Anubis sagen ließ: ״Ich ziehe dich vor und habe meine schönsten Kleider angezogen“, während sie nach den heutigen Erkenntnissen spricht: ״und ich will dir auch schöne Kleider machen“, oder daß man auch übertrug, ״sie zerzauste ihre Kleider“, — Rouge a. a. O. läßt die Stelle unübersetzt und gibt ihr nur in einer Anmerkung eben denselben Sinn, den Ebers in den Text aufnimmt —, während heute diese Übersetzung nicht mehr aufrecht gehalten wird, und es statt dessen heißt, ״sie holte Fett“ usw., wobei nicht ganz klar ist (s. aber Maspero z. St.), was die Frau eigentlich tut. Wie sehr eine leichte äußere Übereinstimmung im ersten Augenblick gar zu sehr überschätzt zu werden pflegt, beweist eine weitere Bemerkung Mannhardts a. a. O.: Die Szenen zwischen dem König und der Frau des Bata haben ״ihr genau entsprechendes Seitenstück“ in der Geschichte der Esther. Die einzige, aber auch die einzige im ersten Augenblick einigermaßen bemerkenswerte Parallele ist der a. a.O. S. 240 mitgeteilte Passus: ״Als die Tage sich vervielfältigt hatten, befand sich die Königin in der Gunst des Königs, der sich sehr gnädig gegen sie zeigte. Sie sprach zu ihm: Schwöre mir, alles was die Königin wollen wird, das werde ich gutheißen. Und der König gehorchte allen ihren Worten“. Noch abgesehen davon, daß es hier die Königin selber ist, die solche Worte spricht, . während sie dort von Ahasveros gesagt werden, heißt es dann weiter: ״Ich möchte von der Lunge des Stieres essen, denn er wird nie etwas Brauchbares tun. Das sagte sie zu ihm. Da fluchte der König wegen ihrer Rede. Das Herz seiner Majestät wurde sehr traurig.“ (Wiedemann a. a. O. S. 73) Ich führe dies an, — die folgenden Male, als die Favoritin an den König die Bitte richtet, die beiden Perseabäume abzuschneiden usw., wird wenigstens nicht mitgeteilt, daß es ihn gereut habe, seiner Frau solche Gunst erwiesen zu haben (a. a. 0. S. 75) —, um # die Leichtfertigkeit der Methode zu kennzeichnen.