Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 167

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 167 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292991--03457-2296734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Josephserzähluiig. 167 neuen Fund immerhin begreiflich und verzeihlich war, heute aber durch nichts mehr zu entschuldigen ist, grundlegende Verschiedenheiten vollkommen übersehen. So übersetzte man: ״Ich kann kein so großes Übel tun״ (Ebers) bezw.: je ne puis faire une si grande infamie (E de Rouge, Revue Arche ologique 1852/53 IX, S. 389), Vas an Gen. 39g ״und wie könnte ich dieses große Übel tun“ erinnerte, statt daß man die Worte heute, wie oben wiedergegeben wurde, auffaßt: ״Was ist das für eine große Schande“ oder wie A. Wiedemann, Altägypt. Sagen und Märchen, Volksmund Band IV Deutsche Verlagsanstalt Leipzig S. 62 übersetzt: ״Was für eine große Schlechtigkeit hast Du mir gesagt“. W. Mannhardt meint in einer Analyse des Märchens (Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde Jahrg. 1859 S. 232 ff.), daß die Rede der Frau des Potiphar und die Josephs in dem Gespräch zwischen Bata und seiner Schwägerin fast wörtlich wiederkehre. Eine nähere Prüfung zeigt, daß gleich diese Behauptung nicht ganz zutrifft. Ihre einzige Grundlage ist, worauf auch schon Rouge besonders hinweist, und Mannhardt scheint im wesentlichen dieselbe Wendung im Auge zu haben, die einigermaßen wörtliche Parailele zu dem biblischen שכבה עמי in den Worten des Papyrus: ״Komm, laß uns eine Stunde uns niederlegen“. Diese ergeben sich aber beide Male aus der hier wie dort geschilderten Situation so sehr von selbst, daß diese Übereinstimmung wahrlieh alles weniger als überraschend ist.1) Aber im übrigen welche Unterschiede! Bata hat in dem ägyptischen Märchen nur eine einmalige Versuchung zu bestehen, die er sofort zornig und entschlossen zurückweist, während Joseph, der trotz aller Macht, die ihm verliehen worden war, doch seinem ganzen Rang nach keineswegs in einem gesellschaftlich gleichartigen Verhältnis zu dem Weibe Potiphars steht, immer und immer wieder versucht wird, und schließlich in einer Weise genötigt *) Zu den Worten ״eine Stunde“ bemerkt Bouge a. a. O. S. 389: ״II est'probable, qu’ici cela se rapporte ä l’beure de la sieste“. Ist das richtig, dann sind also die Worte ״eine Stunde“ nicht ganz bedeutungslos. Die angebliche Parallele zur Bibel erhielt dadurch eine besondere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.