Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Die Josephserzähhmg. Die Josephserzählung, Von Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Frankfurt a. M. 6. Der angebliche ägyptische bzw. indische Ursprung der Potiphargeschiehte. Die Mythologen. Gehen wir nun, nachdem die wesentlichsten Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt sind, auf den Inhalt der Potiphargeschichte selbst des näheren ein unter besonderer Berücksichtigung der Hypothesen, die in neuerer Zeit auf diesem Gebiete aufgestellt worden sind. Wie hat sich doch das Urteil über sie in den Reihen der Kritiker gewandelt! Die früheren, Bohlen, Tuch u. a. hatten geglaubt, die Zuverlässigkeit ihrer Angaben anzweifeln zu müssen, weil die in ihr vorausgesetzten Verhältnisse mit den Zuständen im alten Ägypten nicht stimmten. So sei es z. B. im höchsten Grade auffällig, daß sich die Frau Potiphars im Hause auf halte, ohne streng abgeschlossen zu sein. Heutzutage sind solche Bedenken nicht mehr möglich. Seit den Forschungen von Brugsch, Ebers, Erman, Wiedemann, Spiegelberg, Heyes, A. Jeremias u. a. bezweifelt niemand mehr, daß gerade diese Erzählung wie überhaupt die ganze Josephsgeschichte in allen bezüglichen Einzelheiten ein ״echt ägyptisches Kolorit“ zeige. Ja, seitdem das Märchen von den zwei Brüdern, das uns auf dem ״Papyrus-d’Orbiney“ im British Museum zu London erhalten ist, im Jahre 1852 durch de Rouge veröffentlicht worden war, hat sich das Blatt in dieser Hinsicht ganz gewendet. Man schlägt jetzt nach der entgegengesetzten Richtung hin über die Stränge. Hatte z. B. Georg Ebers in seinem Buche Ägypten und die Bücher Mosis 11868 S. 314 als fraglich angesehen, ״ob wir in dem genannten Papyrus einem Nachklänge der Geschichte des Joseph begegnen, ob Anana sein Märchen selbständig erfand, oder ob der spätere Autor unserer Stelle die Geschichte des Joseph mit dieser ägyptischen Er- Zahlung ausgeschmückt habe“, so wurde nun die letztere Annähme, die Ebers selbst als sehr unwahrscheinlich bezei chnete