Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 163 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. 163 geht. Die Zeit ist aus den Fugen, und unwillkürlich wendet sich unser Geist dem geheimnisvollen ״Ende der Tage“ zu, dem אחרית הימים, das unsere alten Propheten in seelenerschütternden Bildern also zeichnen: Ich lasse Wunderzeichen am Himmel und auf Erden erscheinen: Blut und Feuer und Rauchsäulen. Die Sonne wird in Dunkel sich wandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Ewigen kommt, der große und furchtbare. Aber inmitten der erschreckenden Finsternis, die uns zu verschlingen droht, ist nur ein Lichtstrahl, der uns vor der Verzweiflung bewahrt. Es ist die Hoffnung, daß, wenn der große und furchtbare Tag des Ewigen kommt, er nicht vergebens kommen wird, daß es ein Tag sein wird, der Abrechnung hält mit den Mächten des Bösen, ein Tag, der all das Unrecht und all die Ungerechtigkeit hinwegfegen wird, die sich Jahrhunderte hindurch im Leben der Menschheit angesammelt haben. Und als Juden können wir nur mit aller Inbrunst und Zuversicht hoffen, daß der Tag, der im Leben der Menschheit eine glücklichere Zeit anbahnen wird, auch das Ende des Unrechts und der Ungerechtigkeit bedeuten wird, die in so ungeheuerlichem Maße auf das jüdische Volk gehäuft wurden. Und wenn die Juden, die jetzt den Umsturz im Reiche des Zaren schauen, nach dem Weltkriege zu einem freien und glücklichen Dasein auf blühen werden, dann wird in des Wortes wahrster Bedeutung an ihnen sich erfüllen die Verheißung des Sehers der Vorzeit, die er in einem Augenblick der höchsten Volksbedrängnis ausgesprochen: Das Volk, das im Dunkel wandelte, erblicket großes Licht; die im Lande des Todesschattens geweilt, Lichtglanz umstrahlet sie.