Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 162 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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* 162 Die Juden in Rußland und Polen. Pfadfindergeist in sich verspüren, die tapfer genug sind, sich selbst die Bahn zu brechen, werden nach Palästina gehen, das Land unserer Väter in Stand zu setzen, daß es ein Land für unsere Kinder werde. . Andre werden in Rußland bleiben und an der Verjüngung des gewaltigen nordischen Riesen mitarbeiten. Noch andere werden ihre Schritte westwärts nach den gastlichen Gestaden unseres Landes lenken. Dieser letztere Teil der russischen Judenheit erheischt unsere besondere Aufmerksamkeit in diesem Lande. Denn die ’ Zukunft der amerikanischen Judenheit ist mit der Zukunft der russischen Juden, die einen Teil ihrer selbst bilden unauflöslich verknüpft. Es gibt keine dringendere und keine fruchtbarere Aufgabe für die Judenheit Amerikas, als die, sich die unermeßliche jüdische Lebenskraft der eingewanderten Bevölkerung zu bewahren und sie dem wachsenden Organismus des amerikanischen Judentums einzuverleiben. Wir kennen alle die wunderbare Geschichte der Steinkohle, die, wie die Wissenschaft uns lehrt, nichts anderes als konzentriertes Sonnenlicht ist. Sie erzählt uns von Urwäldern voll üppiger Earrnkräuter, die zahllose Jahre hindurch die Sonnenstrahlen in sich eingesogen, dann aber, nachdem sie tief in den Boden eingesunken und des lebenspendenden Hauches von Licht und Luft entbehren mußten, nach und nach in Kohlen sich verwandelten, in schwarze, zerklüftete, mißgestaltete, die aber dennoch ihre ganze ursprüngliche Kraft in sich bewahren, die, frei geworden, uns Licht und Wärme spenden. Die Geschichte des russischen Juden ist die Geschichte der Steinkohle. Unter einer von Unterdrückung und Verfolgungen zerklüfteten Oberfläche hat er unermeßliche Vorräte an Lebenskraft aufgehäuft, in denen wir für Geist und Herz unbegrenzte Zufuhr an Licht und Wärme finden* können. Dazu ist es nur nötig, das bei der Kohle längst angewandte Verfahren aufzuzeigen, latente Kraft in lebendiges Wirken umzuwandeln. Schluß. Wir leben in einem Augenblick, da die Menschheit durch eine der größten Krisen im Laufe ihrer Geschichte hindurch-