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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 161 (sequence 43)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 161 gepfercht, den russische Willkür künstlich unter dem Namen Ansiedlungsgebiet für die jüdischen Untertanen errichtet hatte, von den Quellen wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritts abgeschnitten, in ihrer Würde als Menschen erniedrigt und in ihrem Dasein als Juden bedroht, richteten sich ihre Augen sehnsuchtsvoll nachjenemnatürlichenundgesehichtliehenAnsiedlungsgebiet, auf dem das jüdische Volk, im Wiederbesitz all der Kraft seiner religiösen und völkischen Eigenart, ein glückliches und nützliches Glied des Völkerbundes werden konnte. Die Strahlen der nationalen Wiedergeburt haben die Knospen der hebräischen Literatur zur Blüte gebracht; sie ist nicht mehr das Sprungbrett zur modernen Kultur, sondern der natürliche Ausdruck des jüdischen Selbstbewußtseins. Der Zionismus hat die angeborenen, bis nun verborgenen Kräfte, die durch tyrannische Unterdrückung fast verkümmert waren, wieder auf den Schauplatz gerufen. Er hat den Geist des Selbstvertrauens und der Selbstbestimmung in der russischen Judenheit wieder belebt. Wohl hat er auch das Wachstum von allerlei Unkraut gefördert, in der Gestalt von Bestrebungen, die nicht nur die Überlieferungen des polnischen Judentums, sondern auch die jüdische Tradition im ganzen zu untergraben drohen. Aber inmitten der verwirrenden Gegenströmungen, die durch den plötzlichen Zusammenprall der fortschrittlichen Einflüsse des Modernismus und der konservativen Kräfte des Ghettolebens entstanden sind, blickt die Masse der russischen Judenheit vorwärts in eine Zukunft, in der ihre alten Grundideale, die der Thora und Aboda, der denkenden und dör tätigen Selbstbejahung des Judentums, wieder die Eckpfeiler des jüdischen Seins werden. Die russischen Juden in Amerika. Die russische Judenheit steht, um uns der Redeweise von Achad Haam, ihres größten Interpreten, zu bedienen, nunmehr ״am Scheidewege*. Vielerlei Wege stehen ihr offen, um sie aus dem Wirrwarr der Gegenwart hinauszuführen, und gar manche von ihnen werden beschritten werden müssen. Die

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