Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 156 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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f 156 Die Juden in ]Rußland und Polen. abseits stehenden Judenheit zugänglich machen. Der ״Meassef״*. eine mit Unterstützung von Mendelssohn gegründete hebräische Zeitschrift, sollte, wie ihr Name andeutete, in diesem Prozeß jüdischer Verjüngung die ״Nachhut“ bilden. Die Erfolge jedoch waren sehr verschieden von denen, die die Eührer der Bewegung wahrscheinlich erhofft hatten. Sowohl die deutsche Bibelübersetzung als auch die neuhebräische Literatur dienten nur als Mittel zu dem Zwecke, die Juden in das Gehege der modernen Kultur zu führen, und sie wurden über Bord geworfen, sobald dieses Ziel erreicht war. Sie waren nur ein Gerüst, das niedergerissen wird, wenn der Bau vollendet ist. Deutschland, die Heimat der hebräischen Renaissance, ging zuerst daran, ein Judentum ohne Hebräisch zu rechtfertigen, und das Land der jüdischen Frommen wurde die Pfianzschule der jüdischen Assimilanten. Die andere Strömung zeigte sich in dem benachbarten Österreich, in der früheren polnischen Provinz Galizien, in der nicht nur das Judentum der modernen Kultur, sondern auch die moderne Kultur dem Judentum angepaßt wurde. Unter dem Einfluß von Männern wie Krochmal (1785—1840), Rappoport (1790—1876) und kleineren Leuchten trat ein Typus des Judentums in die Erscheinung, der den Erfordernissen der Neuzeit völlig Rechnung trug und doch die ganze Kraft und Lebendigkeit der Entwickelung der Vergangenheit beibehielt. In Polen oder vielmehr in Rußland, — denn inzwischen hatte der große politische Umsturz das polnische Reich und damit die Judenheit Polens in die Hände des Zaren geliefert, — trat die Haskala erst eine oder zwei Generationen ״ später, in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, auf. Vorher erschienen nur einige vereinzelte ״Schwalben“, die jedoch noch nicht den Haskala-״S0mmer“ brachten. Sie kamen zur Unzeit und gingen darum zugrunde. Einer dieser vorzeitigen Herolde der Haskala-Bewegung in Rußland war Salomon Maimon (1754—1800), eine merkwürdige Persönlichkeit, die ganz typisch ist für die Stärke sowohl als für die Schwäche des Ghetto-Judentums, und die