Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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13° Sabbatruhe und Freiheit. Freiheit und Selbständigwerdung ihres Volkes — mit der Sabbatruhe alten Gepräges in Beziehung stehen, groß der Kreis derer, bei denen der Freitagabend der Familienabend geblieben ist. Und so hat das Gros der Judenheit auch heute noch den Gewinn von der Idee der Sabbathruhe als Quelle der Selbständigkeit und Freiheit. in. Der starke Selbständigkeitsdrang der Juden ist — und war wohl immer, von Vertreibungen abgesehen — einer der Haupthebel ihrer Zerstreuung. Es liegt auf der Hand, daß eine Volkswirtschaft nur für einen verhältnismäßig kleinen Prozentsatz der Erwerbstätigen Kaum für eine selbständige Existenz haben kann — ausgenommen in der Landwirtschaft. Da die Juden aber, bis in die neuere Zeit hinein, keinen Grundbesitz erwerben konnten, und ihnen die landwirtschaftliehe Erwerbstätigkeit zu einer Zeit, wo sie durchweg noch gesetzestreu waren, in ländlicher Abgeschiedenheit durch die Erfordernisse ihrer Keligion so gut wie verschlossen war, so ist es erklärlich, daß sie, bis in die neueste Zeit hinein, nur selten in diesem Berufe anzutreffen sind. Sombart macht ihnen daraus einen Vorwurf — sehr mit Unrecht. Als Volks־ wirt muß er wissen — und weiß es auch — daß eine Be־ völkerung, die seit Generationen der Landwirtschaft entwöhnt ist, für diese überhaupt verloren ist. In Preußen hat man Unsummen für den Versuch äusgegeben, Unteroffiziere, die vor dem Eintritt ins Heer der Landwirtschaft angehörten, in ihr wieder anzusiedeln. Aber die zwölf Diensljahre im Heere haben genügt, um die Leute für den landwirtschaftlichen Beruf untauglich zu machen. Die Fälle, in denen der Versuch glückte, waren eine so seltene Ausnahme^ daß man ihn ־־־ kürz vor dem Kriege — wieder aufgeben mußte. Noch erst in der Sitzung des Haushaltungsausschusses der Natiönalver- Sammlung vom 29. März betonte Dr. Oertel, der Chefredakteur der ״Deutschen Tageszeitung“, bei Besprechung der Frage der Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedelungsland: Aus