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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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128 Sabbatruhe und Freiheit. als ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung entspricht1). Aber auch die Berücksichtigung der freien Berufe zeigt die Erscheinung, um die es sich hier handelt, noch nicht in voller Schärfe. Sie ist durch eine irreführende Rubrizierung der Ladenangestellten und Verkäufer als Arbeiter statistisch überhaupt nicht mit voller Schärfe darstellbar. Die Angestellten sind namentlich bei den Juden nur die Vorstufe zur Selbständigkeit. Das zeigt ja schon der Unterschied der vorstehenden Prozentsätze der Selbständigen. Es kommt für die prinzipielle Beurteilung dieser Erscheinung aber auch gar nicht darauf an, ob der Prozentsatz der Selbständigen bei den Juden drei oder fünf mal so groß ist, als bei den Nichtjuden. Die Notwendigkeit einer Erklärung stellt sich schon bei viel geringeren Unterschieden ein. Die Tauroh begründet das Gebot der Sabbatruhe (5. B. M., Kap. 5, V. 14) mit den Worten: ״damit dein Knecht und deine Magd ebenso ruhe, wie du es von selbst״ tust“. Volkswirtschaffclieh ausgedrückt: damit der Unselbständige ebenso ruhen könne, wie der Selbständige es kann. So ist denn unter je sieben Tagen einer, an dem das Abhängigkeitsverhältnis aufhört, an dem auch der Unselbständige sein eigener Herr ist. An diesem Tage lernt er den Wfert der Freiheit kennen, lernt sie schätzen und lernt, von der Freiheit den richtigen Gebrauch zu machen: er wird selbständig. Wer das einmal ist, will auch in den anderen sechs Wochentagen kein Knecht mehr sein, will sein eigener Herr werden, ״wie du“! Und so ist die Sabbatruhe die Erzieherin zur Selbständigkeit und Freiheit. Daher finden wir bei den Juden — die in ganz anderer Weise die Sabbatruhe begehen, als der Nichtjude den Erholungs- und Vergnügungssonntag — einen mehrfach so großen Drang zur Selbständigkeit, der sich in einem mehrfach so hohen Prozent- *) Näheres hierüber in meiner Arbeit: ״Konfessionelle Militär- Statistik“; Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 1917. Brgänzungsheft VIII, S. 59 und für die folgenden statistischen Ausführungen S. 53/54. Überhaupt liefern die Kapitel IX, X und XI daselbst reiches einschlägiges Material.

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