Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Sabbatruhe ־and Freiheit. Dem Bedürfnis hierfür widerspricht es durchaus nicht, wenn es an der Stelle, wo von der Verkündigung seiner Mission an das Volk berichtet wird (2. B. M., Kap. 4, V. 30) heißt: *Und das Volk glaubte“. Von ]Freude hierüber wird nichts berichtet, wohl aber, daß das Volk die charakteristische Sklavenart bekundete: ״da neigten sie sich und bückten sich“. (V. 31) Und bald darauf (Kap. 5, V. 21) wird berichtet, daß es den Propagandisten ihrer Freiheit bittere Vorwürfe darob machte, und im nächsten Kapitel (V. 9), daß es auf Moses Freiheitsverkündigung nicht hörte *vor Kleinmut“: *Laßt uns in B.uh?_es ist besser für uns, wir leben als Sklaven der Ägypter, als wir sterben in der Wüste“. (Kap. 14, V. 12). Sie hatten nicht den Freiheitsdrang: ״Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.“ Es scheint, daß darin erst die Sabbatruhe Wandel geschaffen hat, und daß dann auch damals die große Volksbewegung begonnen hat mit Arbeitseinstellung. Sei dem, wie ihm wolle: heute können wir den Zusammenhang zwischen Sabbatruhe und Freiheit deutlich beobachten. Dasjenige Volk, das von den Völkern der Welt die Sabbatruhe am strengsten durchgeführt hat, das englische, ist auch dasjenige, das die Freiheit am weitesten durchgeführt, und auch außer Landes am meisten für sie getan hat. Man darf bei den Engländern ruhig von einer Sabbatruhe sprechen. Ihnen ist der ״Continental sunday“ ein Horror. Strenger Geschäftsschluß, absolute Arbeitseinstellung, keine Theater und Konzerte, fast keine Beisen, nur ein Minimum von Verkehrsgelegenheit. Die Haushaltungen so geführt, daß auch die Dienstboten nur wenig zu tun haben. In Schottland und auch in vielen englischen Haushaltungen wird aus diesem Grunde am Sonntag nicht gekocht. Allerdings hat der englische Sonntag auch einen Zug, der dem jüdischen Sabbat fremd ist: der Ernst. Wo musiziert wird, dar! es nur ernste, eigentlich nur kirchliche Musik sein. Festlichkeiten, auch Hochzeiten, werden am Sonntag nicht gefeiert. Die fröliehen ״Semiraus“, die gerade die jüdische Sabbatfeier auszeichnen und erheitern, sind der englischen Sabbatruhe wesensfremd.